Auf dem Wildmeistersteig um Nürnberg
Von Rednitzhembach nach Pyrbaum

 
         
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Im Frühwinter wandern wir durch den menschenleeren Reichswald, um alle menschlichen Ansiedlungen herum, von Rednitzhembach nach Pyrbaum…

 

Unsere Wanderung, auf der uns führt, beginnt an der S-Bahnhaltestelle in Rednitzhembach. Geradeaus in die 'Bahnhofstraße', dann weiter in die 'Flurstraße', bis wir zur Rednitz kommen.

Hier steht an der Brücke die Skulptur Klang-Rad; sie ist Teil des 1994 eröffneten Rednitzhembacher Kunstwegs, auf dem von den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde gestiftete und vor Ort geschaffene Skulpturen aufgestellt wurden. Seither ist er bereits mehrfach verlängert worden.

Über die Brücke, auch den zweiten Rednitzarm queren und unter einer Straßenunterführung durch bis zur Kreuzung mit dem 'Schaftnacher Weg' in der Ortsmitte.

Hier sollten wir uns einen Abstecher nach rechts zur Kirche gönnen. Der Chor der Kirche stammt aus der Zeit um 1400, der Westteil mit den charakteristischen, auffallend eng stehenden Türmen ist modern. Im Inneren im Chor bezaubernde Fresken aus der Bauzeit.

Zurück zur Kreuzung, nun geradeaus mit dem 'Schaftnacher Weg' und dann rechts mit und in den 'Mittelhembacher Weg'. Die Straße führt uns unter der B2 durch, sofort dahinter rechts einen Feldweg hoch und nach einigen Metern, noch bevor wir das Ackerland erreichen, links in einen Fußpfad, der sich bald zu einem Forstweg erweitert und uns am Waldrand entlang schließlich zum Rhein-Main-Donau-Kanal bringt. Diesem folgen wir nun etwa 1 1/2 Kilometer, bis wir die Schleuse Leerstetten erreichen.

Die Schleuse Leerstetten ist eine von 5 Schleusen des Main-Donau-Kanals (RMD) auf dem Weg von Kehlheim zur Scheitelhaltung bei Hilpoltstein/Bachhausen. Dabei wird ein Höhenunterschied von 68 m überwunden. Neben der Funktion als Schiffahrtsstraße erfüllt der RMD eine Aufgabe im Rahmen der Donau-Main-Überleitung, mit der im Mittel 125 Mio m3 Wasser pro Jahr aus dem Flußbereich der Donau nach Mittelfranken geführt werden. Um den Wasserverlust bei der Schleusung niedrig zu halten, sind die Schleusen als sog. Sparschleusen gebaut, d.h. ein Großteil des Wassers wird in einem Ausgleichsbecken gesammelt und wiederverwendet.

Hinter dem riesigen Bauwerk steigen wir rechts zum Kanal hoch und folgen dem Rad- und Fußweg an seinem Ufer (nicht der Straße wie die Markierung) noch etwa einen Kilometer. Achtung: Kurz bevor wir die Hochspannungsleitung erreichen, steigen wir nach links mit einem eingetrampelten Pfad den Hang hoch zur Straße und queren sie; drüben treffen wir wieder auf , der uns geradeaus in den Wald führt. Nun geht es lange auf breitem Weg durch lichten Kiefernwald, immer wieder unterbrochen von Lichtungen. Am Lauf des Finsterbachs erreichen wir die einsame Finstermühle; auch sie hat der modernen Zeit ihren Tribut gezollt und das Dach mit Sonnenkollektoren gedeckt. Von hier folgen wir am Waldrand entlang dem Lauf des Finsterbachs, im Talgrund immer wieder Weiher. Der Weg biegt kurz in den Wald ein, bei einem rechteckigen Weiher, einer ehemaligen Sandgrube, geht es wieder nach rechts und dann geradeaus auf Harrlach zu.

Harrlach ist einer der vielen Herrensitze im Nürnberger Land, bis Mitte des 14. Jh. im Besitz des gleichnamigen Geschlechts, ging es durch die Hände verschiedener Nürnberger Patrizierfamilien, darunter der Fütterer, an die ein Gedenkstein in der Ortsmitte erinnert. 1938 wurde der Herrensitz abgebrochen.

Auf der Straße durch den Ort und am Ortsende beim Sägewerk nach links in einen Feldweg, der uns in Richtung auf die Autobahn führt. An einer Gabel hören wir schon ihr Geräusch, gehen nach links, durch einen Graben und dann nach rechts durch die Baustelle der ICE-Trasse und einen schmalen Durchgang unter der Autobahn. Dahinter zwischen Autobahn und einem Drahtzaun nach links und am Ende des Zauns, der ein Wildgehege umgrenzt, rechts. Bei der Straßmühle queren wir eine Straße; dort liegt die Gaststätte Faberhof im fast schon historischen gewordenen modernistischen Stil der sechziger Jahre.

Nun geht es noch ein Stück den Waldrand entlang an Weihern vorbei, dann scharf nach links und an der nächsten Kreuzung wieder nach rechts zurück zum Waldrand. Von hier noch ein Blick hinüber nach Pruppach auf der anderen Seite des Tals, dann wieder links in den Wald. Bei der nächsten Kreuzung rechts und von nun an über mehrere Kreuzungen immer mehr oder weniger geradeaus nach Osten. Nach etwas mehr als einer halben Stunde, der Waldrand ist schon vor uns sichtbar, biegt an einer Gabel nach rechts, gleich danach wieder an einer Gabel nach links, es geht leicht bergan, wir erreichen oben den Waldrand und sehen vor uns den Wasserturm von Pyrbaum. Mit einem Feldweg gerade darauf zu, kurz dahinter nach links in die 'Schulstraße', an der nächsten Kreuzung nach rechts und dann wieder links in die 'Allersberger Straße', die uns in die Ortsmitte zur Kirche und zum 'Wolfsteiner Platz' führt.

Hier, an der Stelle der jetzigen neugotischen katholischen Kirche, lag einst das Schloß der Grafen von Wolfstein. Zu ihren weit verstreuten Besitzungen gehörten auch Sulzbürg und eine Zeitlang Allersberg. Bemerkenswert ist, daß es ihnen gelang, mitten in der 1628 rekatholisierten Oberpfalz auch nach 1648 protestantisch zu bleiben, und so bildete das Sulzbürger 'Landl' eine eigentümliche Insel, die auch nach dem Anfall an Bayern 1740 erhalten blieb. Daher ist auch die evangelische Pfarrkirche der eindrucksvollere Bau, im Inneren noch prachtvolle Totenschilde und Grabdenkmäler der Herren von Wolfstein. Vom ehemaligen viertürmigen Schloß blieben nach einem verheerenden Brand 1853 nur Reste der Grabenmauer.

Vom Wolfsteiner Platz bringt uns der Bus wieder auf den Heimweg.

 
 
 
 

Anfahrt: Ab Nürnberg im Taktverkehr mit der S3 bis Rednitzhembach, ab Pyrbaum zurück mit den VGN-Buslinien 503, 505 und 516 (dieser nur Mo-Fr, Fahrplanauskunft) nach Burgthann bzw. Postbauer-Hang, ab dort mit der Regionalbahn R5 zurück nach Nürnberg.

Weglänge: Ca. 20 km, Gehzeit ca. 5 Std. ohne Besichtigungen. Einkehrmöglichkeiten in Rednitzhembach, an der Straßmühle zwei Gaststätten und in Pyrbaum.

Karte: Fritsch Wanderkarte Nr. 75 Nürnberg - Fränkisches Seenland

Info: Über Rednitzhembach finden Sie Näheres im Internet unter www.rednitzhembach.de, der Kunstweg hat eine eigene Internetseite mit Informationen über die einzelnen Kunstwerke unter www.kunstweg-rednitzhembach.de. und das Theater Rednitzhembach finden Sie unter www.theater-rednitzhembach.de. Zu den Fresken in der Kirche ist ein schöner Bildband mit Erläuterungen in der Kirche erhältlich; diese ist in der Regel geöffnet. In Rednitzhembach gibt es auch eine lokale Theaterbühne, das 'Kleine Theater' (Tel. 09122/ 6068). Zu Pyrbaum finden Sie Informationen im Internet unter www.pyrbaum.de. Interessant die katholische Kirche, die evangelische ist leider meist geschlossen. Viel fotografiert das Neumarkter Tor am östlichen Ortsrand mit einem originellen Wegweiser. Zur Geschichte der Wolfsteiner und der namengebenden Burg über Neumarkt können Sie unter www.wolfsteinfreunde.de nachlesen.