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Vom Bahnhof Reichenschwand geht es in der 'Blumenstraße'
mit ,
das uns von nun an bis nach Osternohe begleiten wird, Richtung Osten
der Bahn entlang bis zur ehemaligen Ziegelei, dort links und sofort
rechts auf einer Forststraße den Berg hoch.
Reichenschwand gehörte zu den Orten, die Karl
IV. ab 1353 für sein 'Land in Baiern' erwarb. Doch schon 1373
verpfändete er es für den Erwerb der Mark Brandenburg
wieder an Wittelsbach, und von dort kam Reichenschwand 1504 nach
dem Landshuter Erbfolgekrieg an Nürnberg. 1531 kaufte es der
Nürnberger Großkaufmann Buonaventura Furtenbach, dessen
Familie aus dem Bodenseegebiet stammte, und dieser nahm aufgrund
alter Urkunden die Hochgerichtsbarkeit in Anspruch, mithin die Unabhängigkeit
von Nürnberg. Darüber kam es natürlich zum Konflikt
mit dem Rat, der erst 1566 mit einem Kompromiß beendet wurde,
der die Hoheit Nürnbergs zwar anerkannte, aber den Furtenbach
sonst weitgehende Freiheiten einräumte.
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Die breite Forststraße zieht sich kurvenreich bergan
und läßt zumindest im Winter immer wieder schöne Blicke
frei hinunter auf die Orte im Pegnitztal. Achtung: Kurz bevor es auf der
Höhe eben wird, rechts mit
auf einem schmalen, leicht zu übersehenden Pfad in den Jungwald.
Von nun an geht es auf einem schmalen Waldweg mit
weiter leicht bergan, nach einiger Zeit kommt
von rechts dazu, und nach einem letzten Anstieg stehen wir nach etwas
über einer Stunde auf den Gipfelfelsen des Großen Hansgörgel.
Der Gipfel des 601 m hohen Berges ist heute völlig
zugewachsen; früher muß man von hier eine gute Aussicht gehabt
haben, da der Verschönerungsverein Hersbruck 1877 auf dem Gipfel
einen Aussichtspavillion errichtete.
Nun geht es mit ,
und
einigen anderen Zeichen wieder bergab, nach 10 min erreichen wir eine
Forststraße, der wir nach rechts zum Waldrand folgen. Hier verlassen
uns die anderen Zeichen, wir gehen geradeaus mit
über die Hochfläche. An einer Kurve geht es ein paar Schritte
bergan, und kurz danach stößt die Markierung
zu uns.
Das Zeichen ist die Signatur des Nürnberger Patriziers
Paul Pfinzing (1554-1599), der als Kartograph aus Leidenschaft zahlreiche
Vermessungen für die Reichsstadt durchführte, u.a. erstellte
er eine Karte des Pflegamts Hersbruck. Anläßlich des 400jährigen
'Jubiläums' der Karte 1996 wurde dieser
Weg auf der seinerzeit vermessenen Grenze vom Fränkischen Albverein
markiert.
Wir folgen beiden Markierungen und etwa 500 m nach einer Feldscheune
stoßen wir auf den Waldrand. Hier verlassen wir kurz
und gehen mit
nach links durch den Wald, um eine Waldecke und kurz vor der Teerstraße
stoßen wir rechts im Gebüsch auf einen Grenzstein. Links jenseits
des Tals sehen wir auf dem Berg die Feste Rothenberg.
Eine Burg wurde auf dem Rothenberg Anfang des 14. Jhs.
erbaut, nachdem ihr Vorgänger auf dem Alten Rothenberg nordöstlich
davon zerstört worden war. Erbaut wurde sie von den Wildensteinern,
einem bedeutenden Adelsgeschlecht, die wichtige Ämter vor allem im
Dienst der baierischen Herzöge innehatten. 1360 wurde auch der Rothenberg
an Karl IV. verkauft, der ihn mit einer Burgmannschaft und böhmischen
Adligen als Burggrafen besetzte. Es muß sich um eine umfangreiche
Anlage gehandelt haben, sogar ein Städtchen ist auf dem Plateau vor
der Burg belegt. Im Gegensatz zu anderen Orten ging der Rothenberg 1373
nicht an die Wittelsbacher über; erst 1478 erwarben ihn 44 fränkische
Ritter als Ganerbenschaft (eine Art Genossenschaft mit vertraglich festgelegten
Rechten und Pflichten). Auch 1504 blieb er im Besitz der Ganerben und
sein Gebiet war ein Fremdkörper im Nürnberger Landgebiet, das
Gegnern der Stadt wie dem Raubritter Kunz Schott Zuflucht bot. Ab 1623
beanspruchte Baiern wieder die Landeshoheit und setzte die Ganerben durch
Einquartierung von Soldaten unter Druck, bis diese schließlich nach
zähen Verhandlungen 1661 verkauften.
An dem Gebiet des Rothenbergs werden exemplarisch die komplizierten Rechtsverhältnisse
deutlich, denn bis in die frühe Neuzeit konnten die Verpflichtungen
eines Menschen durchaus auf mehrere Herren verteilt sein: der eine erhielt
die Abgaben, ein anderer hatte die niedere Gerichtsbarkeit und ein dritter
die hohe für Kapitalverbrechen, dazu kamen andere Rechte wie z.B.
die Jagdgerichtsbarkeit. Nun hatte der Westfälische Friede 1648 den
Grundsatz festgelegt, daß der Landesherr die Religionszugehörigkeit
bestimmte, aber wer war nun der Landesherr? Nürnberger Patrizier,
v.a. die Tucher, hatten Güter im Rothenberger Gebiet gekauft, die
Ganerben hatten Besitz und der Herzog von Baiern beanspruchte die Oberhoheit.
Die Nürnberger Patrizier waren lutherisch, die Ganerben calvinistisch
und der Herzog von Baiern katholisch. Erst nach langen Auseinandersetzungen
und Verhandlungen wurde der Zustand vertraglich geregelt: das Land wurde
rekatholisiert, die Bauern mußten katholisch werden oder verkaufen,
die Tucher zum evangelischen Gottesdienst auf Nürnberger Territorium
nach St. Helena.
Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde die Burg 1703 von den Truppen des Fränkischen
Kreises eingenommen und zerstört; nach dem Frieden erbaute Baiern
die heute stehende moderne Festung nach französischem Vorbild, die
allerdings nie vollständig fertiggestellt wurde. Das Königreich
Bayern ließ 1838 die Festung auf; heute bemühen sich die Bayerische
Schlösserverwaltung und der Heimatverein Schnaittach dankenswerterweise
unter großem Aufwand, dem Verfall Einhalt zu gebieten.
Wir folgen der Teerstraße bis zu einer Kreuzung,
hier geht es ganz links wieder mit
weiter, und wo sich das Sträßchen senkt, geht es rechts ab
in einen Waldweg. Von nun an folgen wir immer der Markierung ,
aber Achtung, an einigen Stellen macht der Weg scharfe Knicke, ist aber
stets gut markiert. Wir queren die Straße von Osternohe ins Sittenbachtal,
drüben geht es auf schmalem Pfad durch eine Buschreihe, und von da
an wieder weiter auf breiten Forststraßen. Achtung, etwa 20 min
nach der Straße geht es auf einer Lichtung nochmals hart rechts
zum gegenüberliegenden Wald. Eine gute Stunde nach dem Grenzstein
haben wir den Ortsrand von Schloßberg erreicht, am gegenüberliegenden
Talrand die Autobahnbrücken am Hienberg und vor oder nach der Mittagsrast
können wir die Reste der Burg Osternohe besichtigen.
Von der Burg sind nur der Stumpf des Bergfrieds und Mauerreste
am Talhang übriggeblieben, die sich allesamt auf Privatgrund befinden.
Die Burg wurde wohl im 12. Jh. von den Edelfreien von Osternohe erbaut,
deren bedeutendstes Mitglied Boppo 1253 Hochmeister des Deutschen Ordens
wurde und als Erbauer der Marienburg gilt. Die nachfolgenden Besitzer,
die Hohenlohe, verkauften 1326 den Besitz an den Burggrafen von Nürnberg,
und 4 1/2 Jahrhunderte lang gehörte Osternohe zur Markgrafschaft
Bayreuth. Die exponierte Lage der Enklave führte zu beständigen
Streitigkeiten mit Nürnberg oder Baiern, je nach derzeitiger Bündnislage.
So zerstörten im 1. Markgrafenkrieg 1450 die Nürnberger die
Vorburg, im 2. eroberten und zerstörten sie 1553 die ganze Burg.
Im Spanischen Erbfolgekrieg 1703 wiederum besetzte Baiern vom Rothenberg
aus die Burg und plünderte sie. Seit dem 15. Jh. ist für Osternohe
eine eigene Halsgerichtsbarkeit belegt, doch die Grenze war stets strittig
und konnte erst im 18. Jh. vertraglich festgelegt werden. Vor allem aus
der Zeit des bairischen Pflegers Velhorn in Schnaittach sind viele gewaltsame
Auseinandersetzungen überliefert, in die sogar die Regierung in München
vermittelnd eingreifen mußte. Was Wunder, daß es die zollerischen
Amtmänner im 18. Jh. vorzogen, in Pegnitz oder Schnabelwaid zu residieren
und seither die Burg Stück um Stück auf Abbruch verkauft wurde.
Noch nach dem 2. Weltkrieg gelang es nur dem Einsatz des bekannten Burgenforschers
Dr. Hellmut Kunstmann, den völligen Abbruch der noch stehenden Reste
zu verhindern.
Auf der Straße geht es hinunter in den Ort Osternohe
(kurz vor dem Ortsrand führt eine markierte Abkürzung über
die Wiese) und von der Ortsmitte wieder hinauf zur Kirche.
Die
1471 erbaute Holzkirche wurde schon nach wenigen Jahren in Stein erbaut
und seither kaum verändert. Sie war den Hl. 14 Nothelfern geweiht
und gehörte zur Rothenberger Pfarrei Bühl. Vom dortigen Pfarrer
wurde sie auch nach der Reformation versorgt, bis die Ganerben 1618 den
Calvinismus einführten und der Markgraf einen eigenen lutherischen
Pfarrer einsetzte. Bedeutend und unbedingt zu besichtigen ist der spätgotische
Flügelaltar mit den 14 Nothelfern, eine Nürnberger Arbeit um
1480, dessen Zuschreibung an die Wohlgemut-Werkstatt allerdings umstritten
ist.
Unterhalb der Kirche führt ein Weg mit der Markierung
und
durch
den Hof und auf halber Höhe den Hang entlang, hier noch ein schöner
Blick zurück zur Burgruine, dann kurz am Waldrand den Hang hinab
und nun immer - nicht zu verfehlen - auf Feldwegen den Bach entlang. Wir
können entweder im Ort Hedersdorf mit
nach rechts über die Brücke zum Haltepunkt oder geradeaus weiter
durch den Ort mit
, die Bahnlinie queren und im Wiesengrund mit Blick nach links zum Rothenberg
nach Schnaittach gehen, dessen Kirche vor uns liegt. Entweder statten
wir ihr noch einen Besuch ab oder wir gehen direkt der Hauptverkehrsstraße
entlang zum Bahnhof. Ab der Kirche in Osternohe bis zum Bahnhof Schnaittach
ist es eine gute Stunde.
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Anfahrt: Reichenschwand erreicht man von Nürnberg
mit der Regionalbahn VGN R3 (KBS 891.3, Fahrplanauskunft), von Schnaittach
bzw. Hedersdorf zurück mit der Regionalbahn VGN R31 (samstags und
sonntags alle 2 Std., wochentags häufiger) bis Neunkirchen am Sand,
dort wieder umsteigen in die R3 (Fahrplanauskunft).
Weglänge: Ca. 19 km, Gehzeit ca.
5 Std. ohne Besichtigungen. Abkürzungen möglich, wenn man
den Gipfel des Großen Hansgörgel ausläßt (beim Abzweig
in den Jungwald geradeaus auf der Forststraße, am Waldrand trifft
man wieder auf Gelbkreuz) oder bereits in Hedersdorf in den Zug einsteigt.
Möglichkeiten zur Einkehr in Reichenschwand, Schloßberg, Osternohe,
Hedersdorf und Schnaittach, daneben aber auch immer wieder Wegweiser zu
Gasthäusern abseits des Weges.
Karte: Fritsch Wanderkarte Nr. 80 Landkreis
Nürnberger Land oder Umgebungskarte UK L29 Naturpark Fränkische
Schweiz - Veldensteiner Forst des Bayerischen Landesvermessungsamts.
Info: Informationen
zu den Gemeinden im Nürnberger Land finden Sie auf den Seiten von
www.nbg-land.com unter der jeweiligen
Gemeinde.
Reichenschwand finden Sie unter www.nbg-land.com/reichenschwand
oder auf den offiziellen Seiten der Gemeinde www.reichenschwand.de,
hier auch Auszüge aus dem Buch von W. Schwemmer Alt-Reichenschwand.
Die Festung Rothenberg, die wir nur aus der Ferne gesehen haben, ist unbedingt
eine Besichtigung wert, Führungen auch durch die Kasematten werden
durch den Heimatverein Schnaittach durchgeführt (geöffnet 31.03.
- 31.10., 10-18 Uhr, letzte Führung 17 Uhr, Mo geschlossen), außerdem
gibt es dort im Sommer immer wieder Veranstaltungen. Infos unter www.festung-rothenberg.de.
Über die Geschichte des Rothenbergs können Sie auf den Seiten
von nbg-land
nachlesen oder auf den Seiten von Burgenwelt.
Osternohe ist vertreten unter www.osternohe.de,
auf den Seiten von nbg-land,
Angaben zur Burg bei Burgenwelt.
Auf einer Webcam können Sie sich auch über den Schneezustand
am Schlepplift informieren.
Schnaittach schließlich finden Sie auf nbg-land
und auf der offiziellen Homepage www.markt-schnaittach.de,
Informationen zu Ausstellungen des Jüdischen Museums in der ehemaligen
Synagoge unter www.juedisches-museum.org.
Für den Erhalt und Ausbau der Bahnlinie im Schnaittachtal tritt die
Interessengemeinschaft Schnaittachtalbahn
e.V. ein.
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