Der Markgrafenweg - 4. Von Erlangen nach Baiersdorf

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Heute haben wir nur eine kurze Etappe vor uns, die wir bequem in einem halben Tag zuwege bringen. Wir starten am Altstädter Kirchplatz, biegen in die Pfarrstraße ein, sehen links noch einmal den ehemaligen Standort der Erlanger Burg und biegen dann rechts in die Nördliche Stadtmauerstraße ein.
Hier begleiten uns rechts die Reste der alten Stadtmauer, für deren Bau König Wenzel 1398 das Recht zur Erhebung von Abgaben verlieh. Im Gegensatz zur Zollmauer um die Neustadt war dies eine echte Stadtmauer, von der allerdings nur noch der Sockel erhalten ist.
Am Ende erreichen wir wieder die Bayreuther Straße wo das im 19. Jh. abgebrochene Bayreuther Tor stand. Von hier hinunter zur Essenbacher Brücke, kurz Richtung 'Berg' und hinter den Häusern links zur Heiliggrab-Kapelle.
Die Kapelle aus dem 14. Jh. ist eines der ältesten Gebäude der Stadt. Die niedrigen Häuser dahinter sind ehemalige Siechenhäuser, die vor den Toren der Stadt lagen.
Von hier nun wieder die Bayreuther Straße queren, unter dem Frankenschnellweg durch und rechts immer dem Frankenschnellweg entlang. Unterwegs kommen wir an den 'Werkern' vorbei, einer Industriesiedlung des 17. Jh., die die Wasserkraft für verschiedene Industrien nutzte und heute als E-Werk arbeitet.
Vor der Kläranlage geht ein schmaler Radweg links direkt an der Regnitz entlang, bequemer geht es geradeaus auf dem Teersträßchen weiter, bis wir nach etwa 1 km und einer Linksbiegung den Radweg wieder treffen. Rechts geht es weiter eng zwischen Autobahn und Fluß, bis dieser nach links abbiegt und wir ihm ohne Weg über die Wiese folgen.
Schon unterwegs haben wir im Fluß Wasserräder gesehen, jetzt stehen wir direkt davor. Acht letzte Exemplare von etwa 250 im 18. Jh. zwischen Schwabach und Forchheim schöpfen noch heute das warme und an Sauerstoff reiche Oberwasser ab und machen die so bewässerten Wiesen ertragreich. Um 1413 sind sie das erste Mal erwähnt, heute stehen sie als technische Denkmale unter Schutz. Jedes Jahr im Mai werden die Räder auf- und im September wieder abgebaut, eine schweißtreibende Arbeit, die Gott sei Dank noch von einer großen Zahl engagierter Freiwilliger erledigt wird.
Unter der Autobahnausfahrt Möhrendorf durch und dann auf langem, geradem Weg Richtung Baiersdorf.
Von links grüßt die Kirche von Möhrendorf herüber. Der Ort erscheint erstmals 1007, als Kaiser Heinrich II. den Königshof Forchheim mit 14 zugehörigen Dörfern dem Bistum Bamberg übereignet. Später gehörte er zum markgräflichen Amt Baiersdorf.
Unser Weg ist der sogenannte "Fürstenweg", der nur dem Markgrafen und den Angehörigen des Hofes als Verbindung nach Baiersdorf diente; der Handelsweg lief auf der Hochterrasse links der Regnitz über Möhrendorf.
Unterwegs kommen wir noch an der Fabrikanlage der ehemaligen Baiersdorfer Mühle vorbei, in der sich heute das Mühlentheater befindet.
Schließlich stoßen wir am Ortsrand von Baiersdorf wieder auf die Straße, queren sie und nach 100 m auf einem Feldweg stoßen wir auf den Gedenkstein für das Schloß Scharfeneck.
1007 schenkte Heinrich II. das Gebiet dem Bistum Bamberg, später erhielten die Markgrafen hier Vogteirechte. Im Städtekrieg 1388 werden Baiersdorf und das dabei genannte Schloß Scharfeneck von Nürnberger Truppen zerstört. Das wiederaufgebaute Schloß, das zum Kulmbacher Teil der Markgrafschaft gehörte, wurde im 2. Markgrafenkrieg erneut von Bamberger Truppen zerstört. 1627, während des Dreißigjährigen Krieges, begann man mit dem Neubau eines gewaltigen Renaissanceschlosses auf einer Grundfläche von etwa 70 x 70 m, doch bereits 1632 wurde der halbfertige Rohbau von Bamberger Truppen ausgebrannt. Nach dem Krieg fehlte das Geld für den Neubau, und mit dem Bau des Erlanger Schlosses ab 1700 war ein Neubau auch hinfällig geworden. Scharfeneck blieb Ruine, bis es 1891 abgebrochen wurde.
Zurück, geht es auf der Straße in den Ort, vorbei an der Kirche und dem Alten Rathaus, wir queren die Hauptstraße, dann links, vorbei an der Sparkasse und herum zum Judenfriedhof.
1353 erhielten die Burggrafen das Recht, Baiersdorf zur Stadt auszubauen und setzten hier erstmals einen Amtmann ein, bis 1391 ging der ganze Ort in ihren Besitz über. Schloß Scharfeneck wurde Residenz der Markgrafen und der Ort Baiersdorf zum Verwaltungsmittelpunkt eines weiten Gebiets. Das Richteramt war für 125 Ortschaften und das Wassergericht (Wasserrechte an den Schöpfrädern) zuständig, das Kastenamt umfaßte ca. 1000 steuerpflichtige Haushalte. Darüberhinaus war Baiersdorf aber auch der Ort, wo für die Kaufleute das Geleit für die Fahrt nach Bayreuth und nach Weißenburg gestellt wurde. Daran erinnert noch der Geleitsmann mit Horn, Spieß und Schwert im Baiersdorfer Stadtwappen.
Seit 1130 ist eine Nikolauskirche bezeugt. Bei dem verheerenden Stadtbrand von 1474 blieb nur der Turm stehen, die übrige Kirche wurde im ausgehenden 15. Jh. neu erbaut. Am Rathaus von 1737 mit einem Obergeschoß aus Fachwerk und Walmdach zeigt der Pranger noch das Recht der städtischen Gerichtsbarkeit.
An die einstmals große Bedeutung der Baiersdorfer Judengemeinde, die seit dem 14. Jh. belegt ist, erinnert heute nur noch der Judenfriedhof. Er war zentrale Begräbnisstätte der Judengemeinden der Markgrafschaft bis hinauf nach Bayreuth und teils auch des Bistums Bamberg bis in die Mitte des 19. Jh., erst dann wurden die heute noch bestehenden Judenfriedhöfe in den Landgemeinden angelegt. Die ältesten Grabsteine stammen wahrscheinlich noch aus dem Anfang des 15. Jh. und liegen im Südteil, während der nördliche Teil Grabsteine neueren Datums enthält.

Anfahrt: Erlangen erreicht man von Nürnberg im Stundentakt, unter der Woche häufiger, mit der Bahn (Regionalexpreß oder Regionalbahn, VGN R2, Fahrplanauskunft), Rückfahrt ab Baiersdorf mit Regionalexpreß oder Regionalbahn (VGN R2, Fahrplanauskunft).

Weglänge: Ca. 10 km, Gehzeit ca 2,5 Std. ohne Besichtigungen. Möglichkeiten zur Einkehr in Erlangen, Möhrendorf (abseits des Wegs) und Baiersdorf.

Karte: Die Kartensituation ist etwas schwierig, der südliche Teil unserer Wanderung ist enthalten auf der UK 50-16/17 Naturpark Frankenhöhe des Bayerischen Landesvermessungsamts und auf der Fritsch Wanderkarte Nr. 75 Nürnberg - Fränkisches Seenland, der nördliche Teil auf der Fritsch Wanderkarte Nr. 66 Bamberg - Forchheim. Allerdings sollte es auch kein Problem sein, den Weg ohne Karte zu finden.

Info: Erlangen finden Sie unter den offiziellen Seiten www.erlangen.de und unter den Sonderseiten zum Stadtjubiläum www.er2002.de. Möhrendorf finden Sie unter www.moehrendorf.de, dort auch eine ausführliche Geschichte des Ortes, dort auch einige Informationen über die Wasserräder. Mehr dazu erfahren Sie auf der Wasserrad-Homepage von Ralph Stenzel. Den Spielplan des Mühlentheaters erfahren Sie unter www.muehlentheater.de. Die Stadt Baiersdorf ist mit ihrer offiziellen Homepage unter www.baiersdorf.de vertreten, dort auch Informationen zur Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Übrigens, im Jahre 2003 feiert Baiersdorf die 650-Jahr-Feier seiner Stadterhebung, im Internet können Sie schon einmal einen Blick auf das vorläufige Programm werfen.

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Wanderung: Norbert Grasse
© Text: Karl Rümmelein und Dr. Wolfram P. Gluth
© Fotos: Ursula Grasse und Dr. Wolfram P. Gluth