Der Markgrafenweg - 2. Von Heilsbronn nach Cadolzburg

 
         
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Vom Bahnhof über den Bahnübergang und 200 m entlang der Straße Richtung Ketteldorf, dann am ersten Feldweg rechts mit und . Der Weg führt uns geradeaus in den Wald, dann durch Gebüsch und bald kommen wir an einem Weiher kurz vor Bonnhof wieder aus dem Wald. Hier folgen wir der Hauptstraße bis zur Ortsmitte.
Bonnhof war die größte Grangie - wie die selbst bewirtschafteten Gutshöfe der Zisterzienser hießen - des Kloster Heilsbronn. Zu ihr gehörten einst ca. 140 ha Land, davon rund die Hälfte Äcker, von ihr aus wurden ca. 200 Höfe, die Abgaben zahlen mußten, in 73 Orten verwaltet. Die Ostseite des Tals bis hinunter nach Bürglein waren bis Ende des 16. Jh. Weinberge, ca. 40 ha. Wenn wir bis zum nördlichen Ortsausgang gehen, kommen wir an die Stelle, wo hinter dem noch vorhandenen Weiher ehemals das Schlößchen des Probstes stand.
Noch erhalten ist das Verwalterhaus mit Fachwerk im Oberstock und vorgebauter Eingangslaube und der massige Kornspeicher westlich davon.
In der Ortsmitte geht es mit dem Wegweiser nach Gottmannsdorf und auf der Straße 'Zum Weinberg' bergan, und nach einer Rechtskurve links in einen Feldweg. Er führt schnurgerade über die Hochfläche, macht eine Rechtskurve, dann kreuzen wir den 'Karpfenradweg' und halten uns an der nächsten Gabel links den Berg hinunter nach Bürglein.
1198 zum ersten Mal genannt, war Bürglein Urpfarrei für die Umgebung. Etwas erhöht im ummauerten Friedhof liegt die Kirche, die unteren Geschoße des Turms aus dem 13./14. Jh., das charakteristische Fachwerkobergeschoß aus dem 18. Jh. Das Langhaus ist eine der typischen Markgrafenkirchen; hat man das Glück, das Innere besichtigen zu können, sieht man eine einheitliche Ausstattung aus der Bauzeit mit umlaufenden Emporen und Kanzelaltar. Über der Tür ein reich verziertes Markgrafenwappen.
Am Ortseingang führt der Weg rechts durch(!) ein Anwesen mit , und auf einem Pfad steil bergan; wenn wir die Höhe erreicht haben, können wir einen Abstecher nach links machen zu dem Burgstall, dem der Ort seinen Namen verdankt.
Links vom Weg erstreckt sich eine weite Wiese mit abgesteilten Rändern, Standort der ehemaligen Burg, von der aber keine Reste mehr zu finden sind.
Wir folgen den Markierungen über die Hochfläche und steigen wieder hinab ins Tal nach Wendsdorf, dort hinter dem Ort bei einer Feldscheune rechts mit , und und auf einem Feldweg leicht ansteigend das Tal entlang. Der Weg macht schließlich eine Linkskurve und entfernt sich vom Tal hinauf auf die Höhe, dort lange geradeaus bis Fernabrünst.
Der eigentümliche Ortsname soll von mhd. 'brunst' = 'Brennen' kommen und somit auf eine Siedlung der hochmittelalterlichen Rodung hindeuten. Der Zusatz 'fern' von 'Föhren' kommt erst Ende des 16. Jh. auf.
Hier verläßt uns nach rechts, während wir mit und auf der Hauptstraße links durch den Ort gehen und dann rechts in die 'Ammerndorfer Straße' einbiegen (gegenüber ein Steinkreuz), die nun geradeaus an einer schönen Baumgruppe vorbei zum Waldrand verläuft, wo der Teerweg in einen Schotterweg übergeht. Dieser führt uns weiter schnurgerade durch den Buttendorfer Wald, am Waldrand fällt der Weg leicht ab zur Straße, die uns nach links nach Ammerndorf bringt.
Ammerndorf wird 1246 erstmals urkundlich erwähnt, wobei dem Kloster Heilsbronn Herrschaftsrechte bestätigt werden. Diesem gehören in der Folge fast alle Höfe im Ort. Eine Mühle kann bereits 1302 nachgewiesen werden, später kam eine zweite hinzu; die heutige Ammerndorfer Mühle mit ihrem reich mit Schnitzwerk verzierten Giebel (erbaut 1607) ist eines der bedeutendsten Fachwerkhäuser Mittelfrankens. Das Mehl wurde weithin verhandelt, parallel entwickelte sich ein bis Anfang des 19. Jh. für die Versorgung des Umlandes und der Städte Nürnberg und Fürth wichtiger Kornmarkt. Neben der Mühle besitzt Ammerndorf noch eine ganze Reihe weiterer schöner Fachwerkhäuser, so in der Ortsmitte den Gasthof Sonne. Eine Pfarrei besteht in Ammerndorf erst seit Mitte des 13. Jh., auf den Fundamenten der alten Chorturmkirche wurden 1730 der heutige Turm und 1787 das Langhaus errichtet. Das Innere zeigt sich in einem schlichten, gediegenen Markgrafenstil mit einer vollständigen Markgrafenwand aus dem Kanzelaltar und der darüber aufgestellten, nach dem Stifterehepaar benannten 'Bäckerorgel'.
Von der Ortsmitte auf der Hauptstraße mit und nach Osten, dann links am Bahnhof der 1986 aufgelassenen Biberttalbahn vorbei über den Reichenbach und dahinter rechts bergan in die 'Bergstraße'. Beim Aufstieg hinauf zum Sportplatz haben wir einen schönen Blick hinüber nach Roßtal. Auf der Höhe folgen wir weiter dem Schotterweg den Waldrand entlang, dann über die Felder und drüben wieder in den Wald. An der nächsten Kreuzung verläßt uns , wir gehen links mit und neu durch den Wald und dann den Waldrand entlang. Nach rechts der Blick zum Pleikershof.
Der Pleikershof wird 1414 als 'Pleikerstorff' genannt; dies und die damalige Hofgröße von allein 72 Morgen Acker (ein Vollhof, eine 'Hube', hatte etwa 24 Morgen) könnten darauf hindeuten, daß es sich um eine Wüstung des späten Mittelalters handelt, die zu einem Hof zusammengefaßt wurde.
Über freies Feld kommen wir zu einem Teerweg am gegenüberliegenden Waldrand, dem wir kurz links folgen, aber gleich an der Waldecke geht es mit unseren beiden Markierungen und schräg rechts auf einem Feldweg auf Cadolzburg zu, vor uns immer dessen Wahrzeichen, der Aussichtsturm. Bei schönen Wetter sollten wir es uns nicht entgehen lassen, ihn zu besteigen und den weiten Rundblick und die Sicht auf die Hohenzollernburg zu genießen. Vom Turm hinunter zum Ort und über den Marktplatz zur Burg.
Ursprung Cadolzburgs ist vermutlich ein großer Einzelhof am Fuße des Burgfelsens, da im Mittelalter außer diesem 'Bauhof' noch zwei halbe Huben und sonst nur sehr kleine Höfe nachweisbar sind. Der Ort entstand also als Siedlung der zur Burg gehörigen Dienstleute. Ob der namengebende Cadolt identisch ist mit dem Gründer des Klosters Herrieden, ist unklar. Als Erbe kam Cadolzburg von den Abenbergern an die Zollern, Diese beuten die Burg in der Folgezeit aus und verlagerten ihre Residenz immer mehr hierher, wo sie eigenen Besitz hatten und nicht nur Verwalter des Königsguts waren wie auf der Nürnberger Burggrafenburg. Unter Burggraf Friedrich VI., dem ersten Markgrafen von Brandenburg, wurde um 1420 die Residenz vollständig hierher verlegt. In den Jahrhunderten davor war die Burg immer wieder aus- und umgebaut worden und Schauplatz glanzvoller Feste und hoher Besuche, auch der Kaiser. Um 1300 wurde, gleichsam als Vorburg, der Marktort auf der Höhe vor der Burg angelegt. Doch auch unter den kriegerischen Zeitläuften hatte Cadolzburg zu leiden: 1388 im Städtekrieg und 1449 im Ersten Markgrafenkrieg wurde der Markt jeweils niedergebrannt. Um 1456 jedoch wurde die Hofhaltung nach Ansbach verlegt, Cadolzburg diente nur noch als Nebenresidenz und Sitz der markgräflichen Amtes und teilte das weitere Schicksal des Markgraftums bis zum Übergang an Bayern. Noch in den letzten Kriegstagen, am 17. April 1945, brannte die Burg bei der Besetzung durch amerikanische Truppen vollständig aus, mit ihr viele ausgelagerte Kostbarkeiten des Germanischen Museums. Seit 1978 bis heute läuft der Wiederaufbau, und es bleibt zu hoffen, daß die anhaltenden Querelen um eine museale Nutzung auch endlich zu einem befriedigenden Ende gelangen. Neben den heute nicht mehr bestehenden Steinbrüchen und der immer noch florierenden Holzindustrie hatte sich Cadolzburg seit dem 19. Jh. zu einem Zentrum des Obstbaus entwickelt, der bis in die sechziger Jahre nochmals einen Höhepunkt erlebte. Heute ist der traditionelle Ausflug in die 'Blöih' nur noch eine nostalgische Erinnerung. Bekannt ist der Adventsmarkt, der seit 1948 auf dem Marktplatz abgehalten wird.
Wir gehen zurück, hinter dem äußeren Tor zum Rangau-Heimatmuseum und von dort auf Stufen und dann Straße hinunter zur Markgrafenkirche.
Vorgänger war eine gotische Cäcilienkirche wohl des 13. Jh., deren Vorgänger wiederum vermutlich die Burgkapelle war, jedenfalls wurden bei den Restaurierungsarbeiten dort die Reste eines Ortsfriedhofs aufgedeckt. Obwohl die Kirche im Laufe der Zeit schwer schadhaft geworden war, wurde erst 1750 die Genehmigung zum Neubau erteilt, Bauleiter wurde der Ansbacher Landbaudirektor Johann David Steingruber. Er entwirft hier den Höhepunkt seiner umfangreichen Bautätigkeit, insgesamt gehen 196 Sakral- und Profanbauten im Markgraftum Ansbach auf ihn zurück. Wie meist, handelt es sich um eine Chorturmkirche mit einem Saalbau als Langhaus und zwei rundumlaufenden Emporen, auf der N-Seite abgetrennt der Raum für die markgräfliche Familie, gegenüber für die Hofbeamten. Klassisch der Altar mit der Kanzel darüber, was die Bedeutung von Abendmahl und Predigt in der evangelischen Liturgie zum Ausdruck bringt; darüber noch die Orgel. Die Restaurierung von 2000 hat auch die ursprüngliche, schlichte und elegante Farbigkeit wieder hergestellt. Im Vorgängerbau befand sich auch der spätgotische sog. 'Cadolzburger Altar', eine Stiftung des Markgrafen Friedrich I, der später ins Jagdschloß Grunewald gelangte; ihm verdanken wir Porträts des Markgrafen und seiner Gemahlin 'Schön Else'.
Wir sollten den Weg bergab noch weiter fortsetzen und unten im Tal einige Schritte auf der Straße Richtung Gonnersdorf gehen, um den beeindruckenden Anblick der Burg vom Tal noch einmal voll in uns aufzunehmen. Zurück zum Museum, links dahinter führt ein schmaler Weg nach Osten (nochmals schöner Blick auf Burg und Kirche!) und immer in der gleichen Richtung in ca. 20 min zum Bahnhof.
 
 
 
 
Anfahrt: Heilsbronn erreicht man von Nürnberg mit Regionalbahn oder Regionalexpreß (VGN R7, Fahrplanauskunft), von Cadolzburg zurück fährt die Rangaubahn (VGN R11, Fahrplanauskunft) nach Fürth.
Weglänge: Ca. 20 km, Gehzeit ca. 5 Std. ohne Besichtigungen. Möglichkeiten zur Einkehr in Heilsbronn, Bonnhof, Bürglein, Wendsdorf (nicht immer geöffnet), Ammerndorf und Cadolzburg.
Karte: UK 50-16/17 Naturpark Frankenhöhe des Bayerischen Landesvermessungsamts
Info: Zu Heilsbronn siehe die vorherige Etappe unserer Wanderung. Das Buch von Pfarrer Geißendörfer enthält auch eine ausführliche Beschreibung von Bonnhof und der Wirtschaftsweise von Zisterzienserklöstern im Allgemeinen. Die Kirche in Bürglein ist in der Regel geschlossen (Schlüssel: Ev.-luth. Pfarramt, Kirchenweg 7, Tel. 09872/7504), in der Kirche liegt ein Faltblatt auf. Ammerndorf finden Sie unter www.ammerndorf.de oder unter einer privaten Homepage. In der Kirche ist ein Führer erhältlich. Cadolzburg finden Sie unter www.cadolzburg.de, dort auch eine ausführliche Geschichte des Ortes. Eine kürzere, tabellarische Zusammenfassung finden Sie hier. Führungen durch die Burg finden leider nur gelegentlich ohne feste Termine statt, Informationen im Rangau-Heimathaus, Pisendelplatz 1, Tel. 09103/7886, das auch sonst einen Besuch lohnt. Öffnungszeiten: Dez. - Feb. und Aug. nach Vereinbarung, sonst 1. und 3. Sonntag im Monat 10-12 und 13-17 Uhr und nach Vereinbarung. Über das Projekt Burgmuseum kann man sich auf den Seiten des Germanischen Nationalmuseums informieren und dort ein Dokument zum Museumskonzept herunterladen.
 
         
    Wanderung: Klaus Lämmermann
© Text: Dr. Wolfram P. Gluth und Karl Rümmelein
© Fotos: Dr. Wolfram P. Gluth