Die Jubiläumsstadt: Stadtführung Erlangen

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Im November 1685, nur einen Monat nach der Aufhebung des Edikts von Nantes, das den Hugenotten in Frankreich Religionsfreiheit garantierte, unterzeichnete Markgraf Christian Ernst von Bayreuth den Erlaß, in dem er beschloß, einige der französischen Flüchtlinge in sein Land aufzunehmen. Dabei trieb ihn freilich nicht nur die nur die Fürsorge für die Verfolgten, sondern vor allem die Sorge um das wirtschaftliche Wohlergehen seines von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges noch schwer angeschlagenen Landes. Doch die streng lutherische Bayreuther Kirchenbehörde setzte den Plänen, Andersgläubige ins Land zu holen, zunächst heftigen Widerstand entgegen und es mußte ein neuer Platz gefunden werden. Die Wahl fiel auf das Gelände südlich des kleinen Städtchens Erlangen, für das die Nähe zur Handelsmetropole Nürnberg, der ebene Grund und die Wasserkraft der Flüsse Regnitz und Schwabach sprachen. Bereits im Juli 1686 war Baubeginn nach einem Idealplan des Hofbaumeisters Johann Moritz Richter, den Sie hier sehen...

Das Richtersche Eck, an dem Heuwaag- und Goethestraße aufeinandertreffen, läßt die Geschlossenheit des Stadtbilds heute noch am besten ahnen: den einheitlichen Plan der Häuser, alle zweigeschossig, geradlinig mit der Traufseite zur Straße ausgerichtet. Die Eckhäuser an der Hauptstraße hatten einen etwas höheren ersten Stock und traten leicht in die Straße vor.

Richthäuser am Schloßplatz

Als "Richthäuser" waren sie so etwas hervorgehoben und gaben dem Auge Ruhepunkte in der Straßenflucht.

Der erste Bau, der begonnen wurde, war die Kirche, der "Temple", heute im Volksmund Hugenottenkirche genannt. Sowohl außen wie innen macht sie den Unterschied in der Auffassung zwischen den Konfessionen deutlich; vor allem der saalartige Innenraum zeigt kaum den üblichen sakralen Charakter der Kirchenbauten in der Umgegend. Aus Geldmangel wurde der Turm erst 1732 erbaut.

Überhaupt bestimmte Geldmangel den stockenden Fortgang des Ausbaus, bis ab 1688 der Pfälzer Erbfolgekrieg mit reformierten Christen aus der Pfalz eine neue Welle von Flüchtlingen ins Land spülte, die 1734 ihre eigene Kirche bekam, das heutige lutherische Gemendehaus am Bohlenplatz.

Schließlich zog die Stadt auch zahlreiche Bewohner aus dem Umland an, vor allem als nach 1700 der Zustrom der Glaubensflüchtlinge verebbte. So entstand eine lutherische Gemeinde, die 1737 ihre eigene Kirche im Markgrafenstil, die Neustädter Kirche, erhielt. Vor der Kirche treffen wir eine der Nadeln des Projekts "Denkmal Objekte"; vielleicht ist es bezeichnend für unsere Zeit, daß ihren eigentlich beabsichtigten Standort, die ehemalige Ritterakademie, eine Baugrube in Anspruch genommen hat.

Neustädter Kirche

Damit hatte die Stadt aber schon um 1700 ihren Charakter als ausschließlich französische Flüchtlingsstadt verloren, auch wenn das französische Element noch lange eine große Rolle spielte.

Eine weitere städtebauliche Veränderung, aber auch einen wirtschaftlichen Anschub brachte die Erhebung Erlangens zur Nebenresidenz und der Bau des Schlosses.
So veränderte sich auch der Charakter der Stadt: zwar verzichtete das Schloß mit seinen strengen, klar gegliederten Fassade auf pompöse, barocke Selbstdarstellung, doch es enstanden Blickachsen zu den markanten Punkten der Kirchtürme und es entstand der Schloßgarten, der die Achse der Stadtentwicklung nach Osten legte. Entlang dieser Achse entstanden weitere Bauten der höfischen Repräsentation: Orangerie und Concordienkirche, Markgrafentheater und Redoutensaal.

Schloßplatz in Sonntagsruhe

Und es entstanden die Paläste des Adels, als mächtigster ab 1728 das Palais Stutterheim, dessen Fassade ein elegantes Gegengewicht zum Schloß darstellt, und das heute für kulturelle Zwecke, vor allem für die Stadtbibliothek, genutzt wird.

Altstädter Kirche

Wir haben unseren Gang durch die Geschichte Erlangens bereits in der Zeit der Markgrafen begonnen. Der Ursprung Erlangens liegt vermutlich in Alterlangen, von wo aus das heutige Stadtgebiet als Rodungsort gegründet wurde. In der Folge wechselte der Ort häufiger den Besitzer, bis er 1361 für einige Jahrzehnte in böhmischen Besitz kam. In dieser Zeit wurden wichtige Weichen gestellt: 1374 das Marktrecht unter Karl IV., 1398 unter Wenzel das Stadtrecht.

Wohl auch in den ersten Jahren der böhmischen Herrschaft wurde die 'Alte Veste' am heutigen Fuchsengarten erbaut. Im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt, wurde sie im 18. Jh. abgebrochen.

Anfang des 15. Jh. kam Erlangen dann in den Besitz der Zollern, die aber das nahegelegene Baiersdorf bevorzugten. In der Geschichte der Stadt zeigt sich das abenteuerliche Gemenge des territorialen Besitzes in Franken: Nürnbergs Machtbereich erstreckte sich bis Eltersdorf, Tennenlohe und Bruck, dem Bamberger Domkapitel gehörten Kosbach, Alterlangen und Dechsendorf.

Die Alte Veste vor dem Abbruch

Unter den Kriegen der Zeit hatte Erlangen schwer zu leiden: Im 1. Markgrafenkrieg 1449 und im 2. Markgrafenkrieg 1552 wurde die Stadt jeweils von Nürnberger Truppen geplündert und zerstört, im 30jährigen Krieg soger dreimal von Kaiserlichen und Forchheimern. So kam der endgültige Aufstieg erst mit der Ansiedlung der Hugenotten und den oben geschilderten Ereignissen.

Das Badhaus, ältestes
Gebäude der Altstadt

Das damalige Verhältnis der kleinen Altstadt zur Neustadt sehen Sie auf dem Homann'schen Plan von 1722, den Sie hier finden...

Noch einmal brach eine Katastrophe über die Altstadt herein, die ihr Gesicht völlig verändern sollte: am 14. August 1706 legte sie ein verheerender Brand in Schutt und Asche, nur das Badhaus an der Fuchsenwiese blieb stehen, heute das älteste Gebäude der Stadt. Der Wiederaufbau erfolgte rasch, doch das Gesicht der Stadt paßte sich dem des barocken Christian-Erlangs an. Nur an den Grundrissen der Keller, die nicht mit den Häusern darüber übereinstimmen, läßt sich noch das mittelalterliche Erlangen ablesen.

Es gibt noch viel in dieser Stadt zu entdecken, nehmen Sie sich doch einmal die Zeit und einen guten Führer oder nehmen Sie an einer Stadtführung teil!

Neustädter Kirche im Abendlicht

Wir verabschieden uns aus der bewegten Geschichte der Jubiläumsstadt mit einem friedvollen Blick auf die Neustädter Kirche im Abendlicht...

Anfahrt: Erlangen ist von Nürnberg aus halbstündlich, sonntags im Stundentakt mit der Regionalbahn oder dem Regionalexpreß (VGN-Linie R2, Fahrplan) zu erreichen.

Karte: Einen Stadtplan von Erlangen finden Sie auf den offiziellen Seiten der Stadt www.erlangen.de. Zum Stadtgeburtstag ist außerdem eine Amtliche Stadtkarte erschienen, auf deren Rückseite die Homannkarte von 1722 abgedruckt ist.

Info: Informationen zu Erlangen, Veranstaltungen und Öffnungszeiten finden Sie auf den offiziellen Seiten der Stadt www.erlangen.de. Unter www.er2002.de stehen zum Jubiläum Erlangens Informationen im Internet, so zur Geschichte Erlangens, über bekannte Erlanger, über die Ereignisse rund um den Stadtgeburtstag und ein ausführlicher Veranstaltungskalender. Auch eine Sonderausgabe der Erlanger Nachrichten zum Stadtgeburtstag ist im Internet erschienen, ebenso ein Bericht des Vereins "Geschichte für Alle", der zum Jubiläum auch Stadtführungen anbietet. Fragen zur modernen Stadtentwicklung diskutiert citylab2000.
An Büchern zur Geschichte Erlangens lesenswert sind Gerhard Bresler, 1000 Jahre Erlangen, Gerhard Bresler Verlag, mit vielen alten Bildern, und Rolf Steidel et al., Erlangen - Geschichte in Geschichten, Verlag Rudolf Merkel, unterhaltsam zu lesen nicht nur für Kinder. Aus der gleichen Reihe wie bereits zum Stadtgeburtstag Nürnbergs ist erschienen von Martin Schieber: Erlangen - Eine illustrierte Geschichte der Stadt, C.H. Beck Verlag, München, ISBN 3 406 48913 3 zum Preis von € 14,90.

Öffnungszeiten: Das Stadtmuseum Erlangen am Martin-Luther-Platz 9 hat seine Ausstellungen rechtzeitig erweitert und bietet einen Überblick von der Vorgeschichte (neu eröffnete Ausstellung mit Begleitheft) bis in die jüngste Zeit, auch über die Arbeit und Lebensumstände der hugenottischen 'Strumpfer'. Öffnungszeiten Di/Mi 9-13 und 14-17 Uhr, Do/Fr 9-13 Uhr und Sa/So 11-17 Uhr.

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