Der Auftakt zum Markgrafenweg
Stadtführung Ansbach

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Am Morgen des 9. März 2002 treffen wir uns am Bahnhof zu einer Stadtführung durch Ansbach unter der fachkundigen Führung von Herrn Werner Bürger, Leiter von Stadtarchiv und Markgrafenmuseum, die den Auftakt zur Jubiläumsveranstaltung des Markgrafenwegs darstellt. Bis zum Oktober will die Gruppe in Bayreuth, der obergebirgischen Hauptstadt des Markgraftums, sein.

Hier nun einige - notwendigerweise unvollständige - Impressionen vom Stadtrundgang, auch von Stellen, die Sie so vielleicht noch nicht gesehen haben.

Der Weg führt zunächst durch die 'Neue Auslage', begonnen 1731 am Karlsplatz nach Plänen des Hofbaumeisters Leopoldo Retty als südliche Erweiterung der Altstadt. Bereits 1775 gestattete Markgraf Carl Alexander hier den Bau der Karlshalle als katholischer Kirche. Bedingung war, daß sie sich unauffällig in die Häuserfront einfügte. Und das ist auch gelungen, die ganze Schönheit zeigt sich erst im klassizistischen Dekor des Innenraums.

Stuckdekor der Karlshalle

Von hier geht es über die Promenade, durch das Alexandertor und gleich rechts an der Ecke der Neustadt (die übrigens den Verlauf der staufischen Stadtmauer markiert) steht der Kronenhof, einer der eindrucksvollen Innenhöfe der Altstadt mit markanten Treppentürmen in den Ecken.

Ein weiterer ist der Beringershof, früher Stiftsküsterei, dessen achteckigen Turm mit der Wendeltreppe im 16. Jh. wahrscheinlich Blasius Berwart errichtete, heute im Besitz der evangelischen Kirche. Über die Umfassung des spätmittelalterlichen Innenhofs blickt der Chor der Gumbertuskirche herein.

Das Langhaus der gotischen Kirche ersetzte Leopoldo Retty 1736-38 durch einen weiträumigen Kirchensaal , dessen Südseite wie eine Fassade in elegantem klassizistischem Barock gestaltet ist. Auf der Nordseite hat sich noch das mittelalterliche Seitenschiff unter dem anschließenden Komplex der Markgräflichen Kanzlei erhalten, die Gideon Bacher 1594 auf dem Boden des säkularisierten Stifts errichtete.

Treppenturm des
Beringershofs

Vom gotischen Bau erhalten ist der spätgotische Chor, der erst in den 20er Jahren des 19. Jh. als Schwanenritterkapelle ausgestaltet wurde. Hier sind Grabmäler und Totenschilde von Rittern des fränkischen Zweigs dieses Ordens aufgestellt, den die Hohenzollern in Brandenburg als ihren Hausorden stifteten.

S-Fassade von St. Gumbertus

Grabstein eines
Schwanenritters

In dem Gewölbe unter dem Chor befindet sich heute die Grablege der Markgrafen, über die Sie auf der nächsten Seite mehr erfahren. An sie schließt sich das älteste Baudenkmal Ansbachs an, die romanische Krypta, wohl um 1039-42, deren Baugestalt und Dekor auf eine Beteiligung von Werkleuten der Speyerer Dombauhütte schließen lassen.

Unser Weg führt uns weiter über den Oberen Markt, vorbei an den Spätrenaissancebauten des ehem. Landhauses und des Rathauses zur Bürgerkirche der Stadt St. Johannis. Erbaut ab 1410 bis zur Mitte des 15. Jh. (Grundstein zum Chor 1441), repräsentiert sie mit ihrer lichten Staffelhalle den Typus der spätgotischen Pfarrkirche. Hier begann am 9. April 1525 mit einer Predigt des Pfarrers Johannes Rurer unter Zustimmung des Markgrafen die Reformation in Ansbach. Die 1535 erlassene brandenburgisch- nürnbergische Kirchenordnung wurde weithin zum Vorbild.

Gegenüber das Markgrafenmuseum, das in moderner Aufstellung an vielen Objekten einen vollständigen Überblick über die Geschichte Ansbachs und der Markgrafen bietet.

St. Johannis

Einige Räume sind dort einer Persönlichkeit gewidmet, deren Schicksal noch heute Rätsel aufgibt: Kaspar Hauser. 1828 tauchte er, kaum der Sprache mächtig, in Nürnberg auf und die Frage nach seiner Herkunft bewegte schon damals halb Europa. Am 14. Dez. 1833 wurde er von einem unbekannten Attentäter im Hofgarten erstochen, wo sich ebenfalls ein Denkmal befindet. Der Gerichtspräsident Anselm von Feuerbach fand bei seinen Recherchen eine mögliche Herkunft als Erbprinz des Hauses Baden heraus, und diese und der Hauch von Romantik lieferten bis heute den Stoff zu unzähligen Büchern. Eine als Sensation aufgemachte DNA- Untersuchung, die der Spiegel vor einigen Jahren durchführen ließ und die beweisen sollte, daß keine verwandschaftliche Beziehung zwischen Kaspar Hauser und dem Haus Baden existiert, läßt aber weiterhin Fragen offen, und so ist das Rätsel seiner Herkunft bis heute ungelöst.

Kaspar-Hauser-Denkmal

Unser weiterer Weg führt uns vorbei an der Synagoge, die unauffällig in eine Häuserzeile eingebaut ist. Diese Bausituation rettete sie vor der Zerstörung im Dritten Reich und so ist die Innenausstattung mit Almemor und Heiliger Lade noch aus der Zeit der Erbauung durch Leopoldo Retty erhalten.

Zum Ende unseres Rundgangs kommen wir zum Schloß, der ehemaligen Residenz der Ansbacher Markgrafen. Ursprünglich stand hier eine Wasserburg, die im 15. Jh. zu einem Renaissanceschloß erweitert wurde. Ihr heutiges Aussehen verdankt sie drei Baumeistern der ersten Hälfte des 18. Jh.: Gabriel de Gabrieli (Teile des Innenhofs und Hauptfassade), Karl Friedrich von Zocha (Seitenflügel) und Leopoldo Retti (Fertigstellung und Innenausbau). Die Innenräume sind eines der bedeutendsten Denkmäler der Raumgestaltung des frühen 18. Jh. in Deutschland und unbedingt einer Besichtigung wert.

Markgrafenschloß

Markgrafenschloß

Dem Schloß gegenüber liegt der Hofgarten, an seinem Nordrand die Orangerie, deren Fassaden Zitate der französischen Schloßarchitektur aufnehmen. Die geometrische Gartenanlage des 18. Jh. wurde nach den Kriegszerstörungen bis 1975 teilweise wieder hergestellt. In dem noch nach englischer Manier angelegten Teil steht in der Nähe des Denkmals für Kaspar Hauser auch das für Johann Peter Uz, einen bekannten Ansbacher Dichter des Barock. Zum Gedenken an den Botaniker Leonhart Fuchs (nach dem die Fuchsie benannt ist) wurde 2001 ein Heilkräutergarten angelegt.

 

Orangerie im Hofgarten

 

Anfahrt: Ansbach ist von Nürnberg aus halbstündlich, sonntags im Stundentakt mit der Regionalbahn oder dem Regionalexpreß (VGN-Linie R7, Fahrplan) zu erreichen.

Karte: Einen Stadtplan von Ansbach finden Sie auf den offiziellen Seiten der Stadt www.ansbach.de.

Info: Informationen zu Ansbach, Veranstaltungen und Öffnungszeiten finden Sie auf den offiziellen Seiten der Stadt www.ansbach.de. Einen wunderschön gemachten und hochinformativen Stadtrundgang, den Sie sich unbedingt ansehen müssen, finden Sie auf den Seiten von surfan. Eine Zusammenfassung der Geschichte und Sehenswürdigkeiten finden Sie auch auf den Seiten der Deutschen Burgenstraße. Die Kirche St. Johannis hat ihre eigene Internetseiten. Material über den Barockdichter Johann Peter Uz (1720 - 1796) bietet Ihnen die Philosophische Fakultät der Universität Erlangen. Eine ausführliche Biographie und vor allem eine vollständige Zusammenstellung und Würdigung der Bauten des Architekten Leopoldo Retti finden Sie auf den Seiten der Gedenkausstellung zu seinem 250. Todestag.
Das Stadtbuch "Ansbach - Geschichte einer Stadt" von Hermann Dallhammer und Werner Bürger, Hercynia Verlag, Ansbach 1993, ist derzeit im Buchhandel leider nicht mehr verfügbar. Zu den Kirchen St. Johannis und St. Gumbertus sind vor Ort Führer des Schnell & Steiner Verlags erhältlich. Zu der Markgrafengruft gibt es einen ausgezeichneten, reich bebilderten Führer von Günther Schuhmann: Die Hohenzollern-Grablegen in Heilsbronn und Ansbach, Schnell & Steiner 1989. Über Kaspar Hauser gibt es eine Vielzahl dokumentarischer, literarischer und eher tendenzieller Bücher; trotz des Erscheinungsdatums vor der Spiegel-Veröffentlichung immer noch sehr lesenswert, weil objektiv und gut zu lesen ist das Buch von Ulrike Leonhardt: "Prinz von Baden, genannt Kaspar Hauser", Rowohlt, Hamburg 1992. Näheres zur DNA-Untersuchungen unter http://rechts.web.med.uni-muenchen.de/hauser.htm und, zusammen mit Informationen zur Geschichte und zum mutmaßlichen Stammbaum, unter http://www.uni-koblenz.de/~odsgroe/hauser1.htm.
Öffnungszeiten: Die Markgräfliche Residenz ist nur mit Führung zu besichtigen, sie ist täglich außer montags und an einigen Feiertagen geöffnet, Führungen zur vollen Stunde, genaue Informationen unter http://www.ansbach.de/6/inhalt.html. Das Markgrafenmuseum ist täglich außer Montag von 10-12 und 14-17 Uhr geöffnet. Die Johanniskirche und die St. Gumbertuskirche sind ganztägig geöffnet, die Schwanenritterkapelle ist nur vor und nach den Gottesdiensten und bei Stadtführungen zu besichtigen. Ebenfalls nur bei Stadtführungen zu besichtigen sind die Synagoge und die Karlshalle. Die Markgrafengruft ist geöffnet vom 1.5. mit 31.9. feiertags, freitags, samstags und sonntags jeweils von 15-17 Uhr, im Winter sonntags von 11-12 Uhr.

 

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Wanderung: Werner Bürger und Elisabeth Franke
© Text und Fotos: Dr. Wolfram P. Gluth