Der Mainweg
3. Von Kulmbach nach Burgkunstadt

 
         
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Bevor wir uns wieder auf den Mainweg begeben, machen wir noch einen kurzen Rundgang durch die Innenstadt von Kulmbach.

Leider haben wir nicht genug Zeit für einen ausführliche Stadtrundgang, den wir bei Gelegenheit nachholen müssen. Von der Stadtmauer sind u.a. noch der Weiße und der Rote Turm erhalten, an denen vorbei wir in die Obere Stadt mit den Bauten der weltlichen und geistlichen Herrschaft kommen, unbedingt zu besichtigen die St.-Petri-Kirche. 1439 nach dem Hussittenkrieg als spätgotische Hallenkirche erbaut und nach den Zerstörungen des 2. Markgrafenkriegs ab 1559 wiederhergestellt, spürt man in ihr den strengen Geist des Protestantismus. Den Barock der Markgrafenzeit verkörpern die lebhafte Fassade der Spitalkirche von 1738 und das Rathaus von 1752. Von hier zum Holzmarkt mit dem "Zinsfelderbrunnen", der Statue eines Landsknechts in voller Rüstung mit dem Kulmbacher Stadtwappen und Schwingfahne. Die Straße 'Am Kressenstein' führt uns nach links zum Alten Friedhof, dem früheren Pestfriedhof, wo sich neben älteren Grabsteinen die Begräbnisstätten Kulmbacher Industrieller des 19. Jh. erhalten haben.
Von dort geht es die breite Meußdoerfferstraße entlang Richtung Bamberg, wir queren die Bayreuther Straße, an der Kreuzung links ab und auf der Straße 'Am Galgenberg' bergan. Hier haben wir nochmals einen schönen Blick zurück zur Plassenburg, bevor es wieder bergab geht und wir mit nach links in einen Fußweg abbiegen. Dieser bringt uns zur Straße nach Melkendorf, darauf kurz links und hinter einem Umspannwerk rechts in einen Feldweg zur Bahn. Wir queren die Gleise und folgen ihnen nach links zum Ortseingang von Melkendorf.

Der Ort war noch vor Kulmbach das Zentrum der Gegend und vorbambergische Urpfarrei. Die Pfarrkirche St. Ägidius ist im Kern eine spätgotische Wehrkirche, nach dem 2. Markgrafenkrieg wiederaufgebaut und 1732 im Inneren barockisiert. Teile der Friedhofsbefestigung sind noch erhalten.

An der Kirche vorbei in den Ort und bei der Linkskurve der Hauptstraße nach rechts in eine Seitenstraße mit , jetzt kommt auch wieder dazu. Hoch über dem Main führt uns ein Spazierweg erst hinter Häusern vorbei, dann als Allee in 1/4 Std. zum Schloß Steinenhausen.
Ein erster Bau des 13. Jhs. wurde im Hussittenkrieg total zerstört, 1535 von den Herren von Guttenberg neu erbaut und 1720/24 durch die heutige Dreiflügelanlage ersetzt. Im Besitz der Guttenberg blieb es bis 1938. Nach mehrfachem Besitzerwechsel ist heute hier eine Außenstelle des Bayerischen Umweltamtes untergebracht. Hier hatte sich 1806 Jerome Bonaparte bei der Belagerung der Plassenburg einquartiert.
Von hier geht es mit und kurz bergab, und unten imTal nach rechts ohne Weg über die Wiese zur Mainvereinigung.
Hier vereinigen sich der Rote und der Weiße Main, um von nun an als Main den langen Weg bis zur Mündung in den Rhein zu nehmen. Vorbei ist es aber auch mit den schönen naturbelassenen Mäanderlandschaften, wo sich in den Schwarzerlen- und Schilfbeständen der Auenlandschaften jede Hochwasserwelle bei der Schneeschmelze in Frankenwald und Fichtelgebirge brechen und verteilen konnte. Von hier ist der Fluß größtenteils begradigt und zwischen Dämme und Mauern eingezwängt.
Über die Wiese weiter in den Ort Frankenberg und ab hier führt uns nur noch , erst auf einem geteerten Hohlweg hinauf auf die Höhe, wo wir uns einmal umwenden sollten für den herrlichen Blick zurück zur Plassenburg. Bis zur nächsten Kreuzung immer geradeaus, dort halten wir uns halbrechts auf einem Feldweg zum Wald, vor uns der Blick auf den Rand der Fränkischen Alb.
Im Süden und Südwesten grüßt der Albrand von Thurnau nach Kasendorf mit dem Katzenstein, Klararuh und dem Turmberg mit dem markanten Magnusturm herüber. Auf dem Turmberg befanden sich nacheinander eine keltische und eine frühmittelalterliche Befestigungsanlage, ein 'Ungarnrefugium' und eine hochmittelalterliche Burg. Unten im Tal im Pfarrholz liegt ein großes hallstattzeitliches Grabhügelfeld, alles Anzeichen dafür, daß wir uns in einem alten Siedlungsraum befinden. Auch nach der Völkerwanderung gehörte das obere Maintal schon bald wieder zum Einflußbereich des karolingischen Reichs.
Am Waldrand entlang und über Wiesen zu einer Straße, die wir kreuzen und mit dem Sträßchen gegenüber am Wald entlang bergab nach Wüstenbuchau.
Der sog. Ochsenhof ist ein ehemaliger Herrenhof der Herren von Waldeck, über dem Tor die Jahreszahl 1734.
Wir überqueren den Bach, halten uns im Ort kurz links, überqueren die Straße und steigen in einem Hohlweg am Waldrand entlang wieder bergan. Auf der Höhe links im Wald vier Kreuzsteine.
Hier geschah 1655 eine "schröckliche Mordtat": Vier Handwerksburschen gerieten sich in die Haare, drei waren zum Schluß tot und da der vierte schwerverletzt überlebende der Täter sein mußte, wurde er kurzerhand hingerichtet.
Ganz in der Nähe erreichen wir die Grenze zwischen den Landkreisen Kulmbach und Lichtenfels. Hier war früher schon die Grenze zwischen der Markgrafschaft Kulmbach-Bayreuth und dem Bistum Bamberg, vor einigen Jahren stand hier noch ein alter Fraischgrenzstein.
An der nächsten Kreuzung halten wir uns halbrechts abwärts und nun geht es immer auf breiten Forstwegen gut mit markiert durch den Mainecker Forst. Bis zu einem Feldkreuz am Waldrand ist der Weg nicht zu verfehlen. Hier verlassen wir und gehen halbrechts ohne Markierung hinab, zunächst durch Wald, dann über Wiesen zur Straße und hinüber nach Prügel.
Am Ortsende rechts mit in einen Feldweg, der uns erst bergauf auf den Schneidersknock und dann wieder bergab führt, am Wegende links auf Fußpfad durch schönen Auenwald, dahinter rechts einer Hecke entlang und dann im Zickzack über die Wiese. Ein Schotterweg quert, und mit diesem nach links in weitem Bogen den Main entlang erreichen wir den Sportplatz am Ortseingang von Altenkunstadt.
Altenkunstadt wird um 800 erstmals genannt, bei Grabungen haben sich Reste des karolingischen Ortsfriedhofs unter der Kirche gefunden. Die Kirche nach Zerstörung im Bauernkrieg wiederaufgebaut, später barockisiert, schöne Schnitzfiguren der Hll. Wolfgang und Georg am Hochaltar.
In Altenkunstadt zur Hauptstraße und nach rechts über den Main zu unserem Ziel Burgkunstadt. Wenn wir nach dieser langen Wanderung noch Zeit und Lust haben, sollten wir zum Abschluß unbedingt noch die wunderschöne Oberstadt besuchen.
Auch wenn der Name Altenkunstadt nahelegt, daß dies der ältere Ort ist, so wurde in Burgkunstadt eine vierphasige Burg ausgegraben, die bis ins 9. Jh. zurückgeht und der eine noch ältere Siedlung mit Funden slawischer Keramik vorausgeht. Vermutlich gehörte Burgkunstadt auch zu den Burgen der Markgrafen von Schweinfurt, aus deren Besitz es bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung als Chuonstadt 1096 in den des Hochstifts Bamberg überging. Im Jahre 1400 bekam es vom Bischof Brau- und Malzrechte. Die Burg wurde im Bauernkrieg 1525 zerstört und und an ihrer Stelle die Vogtei erbaut.
Fachwerkhäuser, ein mächtiges Rathaus von 1689 und das bischöfliche Amtshaus umrahmen den historischen Marktplatz. Hier befindet sich auch das Schuhmachermuseum - wenn die Zeit ausreicht, ist ein Besuch sehr lohnenswert. Auch die Kirche ist sehenswert.
Schon im 16. Jh. gab es hier etliche Gerbereien und "Schubarten", also Schuhmacher. Im Jahre 1888 war es der jüdische Bürger Joseph Weiermann, der in den Nebenräumen der Zapf'schen Bierwirtschaft die erste mechanische Schuhfabrik einrichtete. Bald schon folgten weitere Fabriken und zu Spitzenzeiten standen bis zu 2 300 Leute in Arbeit und Brot. Daß die Leute gerade zum Beginn des Industriezeitalters oft täglich 14 und mehr Stunden unter für uns unvorstellbaren Bedingungen arbeiten mußten und von dem verdienten Geld oft nur ein kärgliches Leben führen konnten, ist die andere Seite. Kunscht war zur "Schuhstadt am Obermain" und zum "Fränkischen Pirmasens" geworden. In den siebziger und achtziger Jahren konnten die heimischen Produkte nicht mehr mit den Billigimporten konkurrieren und so schloß die letzte Schuhfabrik 1990 ihre Pforten. Nur noch die Figur des "Schusterbubm" erinnert an diese wirtschaftliche Blütezeit.
Anfahrt: Kulmbach erreicht man von Nürnberg mit dem Regionalexpreß (KBS 820, Fahrplanauskunft), in Bamberg oder Lichtenfels (KBS 850, Fahrplanauskunft) umsteigen nach Kulmbach. Auf dem gleichen Weg dann von Burgkunstadt zurück.
Weglänge: Ca. 24 km, Gehzeit ca. 6 Std. ohne Besichtigungen. Möglichkeiten zur Einkehr in Kulmbach, Melkendorf, Frankenberg, Prügel, Altenkunstadt und Burgkunstadt.
Karte: Fritsch Wanderkarte Nr. 65 Naturpark Fränkische Schweiz Blatt Nord
Info: Informationen zur Stadt Kulmbach, zu Sehenswürdigkeiten und Geschichte finden Sie im Internet unter www.stadt-kulmbach.de. Im Bayerischen Brauereimuseum (Hofer Str. 20, Tel. 09221/80510) erfährt man alles über die Kunst des Bierbrauens früher und heute. Die dramatische Geschichte des "Conraditags" können Sie im Internet nachlesen.
Einen sehr guten virtuellen Führer durch die Plassenburg finden Sie unter www.stefan-fritz.de/burg2001b, die sehr lesenswerte Dissertation von Fr. Dr. Sabine Weigand-Karg über die Geschichte und die Hofhaltung auf der Plassenburg unter www.zinnfigurenmuseum.de/plassenburg. Museen auf der Plassenburg: Die Plassenburg (Tel. 09221/958879, Besichtigung der Innenräume nur mit Führung) hat geöffnet April - Oktober 9-18 Uhr und November - März 10-16 Uhr. Im Deutschen Zinnfigurenmuseum (gleiches Tel. und Öffnungszeiten) finden Sie die größte Zinnfigurensammlung von der Welt, darunter ein riesiges Diorama des "Conraditags"; Bilder und einen sehr guten erklärenden Text über die Ereignisse um jenen dramatischen Tag auf www.zinnfigurenmuseum.de/2000.html unter Conraditag. Das Landschaftsmuseum Obermain (gleiches Tel. und Öffnungszeiten) zeigt eine spannende Zeitreise durch die Lande um Kulmbach mit vielen originalen Exponaten, darunter der 'Pörbitscher Schatz', und einer Replik der Ebstorfer Weltkarte von 1230. Das Armeemuseum Friedrich der Große (Tel. 09221/822020) zeigt die Geschichte und sozialen Verhältnisse der altpreußischen Armee.
Ab dem letzten Samstag im Juli findet auf dem Zentralparkplatz alle Jahre 9 Tage lang die Kulmbacher Bierwoche statt. Alle zwei Jahre (in ungeraden Jahren, vom zweiten Freitag bis zum zweiten Sonntag im August) treffen sich Freunde und Sammler von Zinnfiguren zur Deutschen Zinnfigurenbörse.
Informationen und Bilder zu Schloß Steinenhausen finden Sie auf den Seiten des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz.
Informationen zu Altenkunstadt gibts unter www.altenkunstadt.de, zu Burgkunstadt unter www.burgkunstadt.de. Das Schustermuseum Burgkunstadt hat vom 1. März bis 31. Okt. Di-Fr von 10-12 und 14-16 Uhr, Sa, So von 10-12 Uhr geöffnet. Telefonische Terminvereinbarungen unter (09572) 4703 oder 38834. Außerdem kann jeweil Mi um 14 Uhr oder nach tel. Vereinbarung unter (09572) 75050 die Privatbrauerei Leikeim besichtigt werden mit einer der größten und modernsten Abfüllanlagen Deutschlands.
 
         
    © Text: Karl Rümmelein und Dr. Wolfram P. Gluth
Wanderung: Karl Rümmelein
Fotos: Dr. Wolfram P. Gluth