|
Vom Bahnhof gehen wir in den Ort Trebgast, folgen
der Hauptstraße nach links und dann rechts bergan, auf halber
Höhe führen uns über 100 Treppenstufen steil nach
links hoch zur Kirchenburg, die wir als erstes besichtigen.
|
Erstmals wird Trebgast schon um 1035 als Burg des
mächtigen Geschlechts der aus Zwernitz (bei Wonsees) stammenden
Walpoten genannt, ihnen folgten im Besitz 1180 die Andechs-Meranier,
dann die von Orlamünde und schließlich 1338 der Burggraf
von Nürnberg. Die Lage an einer Furt bei der Einmündung
der Trebgast in den Weißen Main war strategisch und verkehrsgeographisch
günstig, und so verhinderte bereits 1138 der Bischof von Bamberg
hier die Anlage einer Stadt. Bekannt wurde der Ort durch seine Sandsteinbrüche,
in denen im 19. und 20. Jh. oft über 100 Steinbrecher beschäftigt
waren. Die hier gewonnenen Sandsteine von höchster Qualität
wurden für namhafte Bauten in Bayreuth, Berlin und Leipzig verwendet;
aber auch beim Bau der "Schiefen Ebene" kamen sie zum Einsatz.
Ein wunderschönes Ensemble ist die Kirchenburg mit Pfarrhaus,
Kapellen, Scheune, Nebengebäuden und der evangelischen Pfarrkirche,
das in den 90er Jahren umfassend restauriert wurde. Die Ummauerung
und die Rochuskapelle stammen aus dem Spätmittelalter, die Kirche
ist ein typischer Bau aus der Zeit des Markgrafen Friedrich um die
Mitte des 18. Jh. mit hervorragender Innenausstattung, besonders hervorzuheben
ist die Stuckausstattung.
Seit 1950 wird alljährlich die Trebgaster Naturbühne mit
einem umfangreichen Programm bespielt.
|
Nach diesem Kunstgenuß zurück zur Hauptstraße,
ein paar Schritte bergab und nach links in das 'Mühlgäßchen'.
Ein schmaler Weg und viele Stufen bringen uns hinunter zur Mühle
und zum Main, den wir auf einem Brücklein queren, dann gehen
wir auf einem Feldweg in die Wiese hinein. Achtung: der Weg ist kaum
sichtbar, an einer Gabel links und dann mehr oder minder dem Main
entlang Richtung Norden. Die gesuchte Markierung
läßt sich erst am Ortsrand von Feuln blicken, das wir nach
etwa 1/2 Std. ab der Kirche Trebgast erreichen. In Feuln rechts zur
Ortsmitte, wo der Weißmainweg ( )
unsere Richtung quert. Hier treffen wir den Mainverbindungsweg mit
dem Zeichen ,
dem wir für die nächste Zeit folgen, zunächst aus dem
Ort hinaus, am Ortsende dann links auf einem Schotterweg bergan. Dieser
zieht in einem Linksbogen vorbei an einem Steinbruch hinauf auf die
Höhe. Hier haben wir einen weiten Blick über das Oberfränkische
Bruchschollenland, in der Ferne sehen wir die "Fränkische
Linie" (den bewaldeten Steilanstieg des Frankenwaldes) und im
Fichtelgebirge die Höhen von Ochsenkopf und Schneeberg mit ihren
charakteristischen Sendeanlagen.
|
Das Oberfränkische Bruchschollenland entstand
vor ca. 200 Mio Jahren durch die Hebung des Grundgebirges entlang
der "Fränkische Linie" um bis zu 2000 m. Die Gesteinsschichten
vor dieser Linie zerbrachen in einzelne Schollen, die unterschiedlich
stark gehoben und gesenkt wurden, so daß wir heute auf gleicher
Höhe Gesteine ganz unterschiedlichen Alters finden können.
Auffallend ist, daß die Hänge, über die wir kommen,
fast unbewaldet sind; nur unterbrochen durch geradlinige Heckenzeilen
und durch niedrige Stützmauern waren sie in kleine, aber ebene
Terassenfelder eingeteilt. Hier wurde u.a. im Mittelalter für
das Kloster Himmelkron Wein angebaut (Flurname Weinberg).
|
Immer geradeaus mit
über Felder, vorbei an Reutlashof und vorbei an einer Baumgruppe,
bis wir an einer Gebüschreihe rechts abbiegen und schließlich
an einer Kreuzung eine Straße erreichen, die wir mit
queren und wieder einer Gebüschreihe entlang die nächste
Straße erreichen, der wir links nach Oberlangenroth folgen.
Im Ort auf der Straße rechts (Wegweiser Unterlangenroth und
),
zuerst bergab, dann, bei einem Wäldchen rechterhand, links ohne
Markierung in einen überwachsenen Feldweg, ohne Weg - eine Gebüschreihe
zur rechten Hand - auf den Wald zu, dessen Rand folgen und schließlich
stoßen wir an der Waldecke wieder auf eine Forststraße.
Auf ihr folgen wir der Markierung
im Schorgasttal nach links, auf der Straße bei Lettenhof kurz
nach links und gleich rechts unter einer Scheunenauffahrt durch, dann
wieder etwa in gleicher Richtung weiter. Etwa 2 1/2 h nach Trebgast
erreichen wir eine Brücke, die uns nach rechts über die
Schorgast zur Bahn bringt. Parallel zu dieser auf dem Radweg kommen
wir in etwa 20 min nach Untersteinach, und hier natürlich zur
Wehrkirche.
|
| Der heutige Bau der evangelischen Pfarrkirche St.
Oswald entstammt dem 15. Jh., 1508 wurde sie ausgebaut und gewölbt
und erhielt Anfang des 18. Jh. eine neue Innenausstattung. Hervorzuheben
die Gemälde mit Darstellungen der biblischen Geschichte an den
Emporen von 1733/35, die sogar um den Chor umlaufen. Umgeben wird
die Kirche von den Resten einer Befestigung des 15. Jh., im Kirchhof
noch eine Reihe von Grabdenkmälern.
|
Von der Kirche zurück zur Straße, nach
rechts und dann folgen wir der Markierung
im Zickzack durch ein Wohngebiet bergan über rund 120 Höhenmeter.
Oben links und zunächst auf schönem Waldweg, dann an Äckern
vorbei, bis wir etwa eine 3/4 Std. nach Untersteinach auf eine Lichtung
kommen, wo der Weg mit
halblinks in den Wald führt. Hier am Espich treten wir aber erst
hinaus auf die Lichtung und bewundern den Blick hinüber zur Plassenburg.
|
|
Nun geht der Weg bergab, bald kommen wir aus dem Wald heraus und
vor uns auf der anderen Talseite erhebt sich majestätisch die
Plassenburg und darunter liegt die Stadt Kulmbach. Hinunter nach
Kauernburg, dort die B289 und die Bahn queren und hinter der Bahn
auf dem Radweg rechts in die Stadt Kulmbach. Vom Zentralparkplatz
in der Stadtmitte fährt alle halbe Stunde ein Bus hinauf zur
Plassenburg und wieder zurück.
|
Keimzelle Kulmbachs ist ein, vielleicht schon karolingischer,
Forsthof in dem engen Tal der Wolfskehle, zusammen mit einer Befestigung
am Mainübergang. Beide schützten die Kreuzung zweier Altstraßen.
Zwischen 1027 und 1040 wird dieser Ort Kulma erstmals genannt. Graf
Berthold II. von Andechs-Meranien nennt sich 1135 erstmals urkundlich
nach seinem Besitz auf der Plassenburg. Unter den Andechsern wuchsen
die Orte zusammen, planmäßig wurde eine Marktsiedlung angelegt
und bekam Stadt- und Münzrechte. Als der letzte Meranier Otto
II. in jungen Jahren 1248 auf der Jagd tödlich verunglückte,
kamen in der Erbfolge die Grafen von Orlamünde auf die Plassenburg.
Als 1340 Graf Otto VII. als Letzter von Orlamünde verstarb, hinterließ
er seine Witwe, die sagenumwobene "Weiße Frau von Orlamünde"
mit zwei nicht erbberechtigten Töchtern. In der Erbfolge kamen
nun die Hohenzollern mit Burggraf Johann II. von Nürnberg in
den Besitz des Kulmbacher Landes. Seit 1398 befand sich dann hier
die Hofhaltung des oberfränkischen Landesteils der Markgrafschaft,
des 'Lands ob dem Gebirg'. 1430 brach der Hussittensturm über
das Land herein und brachte Tod und große Not, doch an der Plassenburg
holten sich die "Hussen" nur blutige Nasen.
1552 entfachte Markgraf Albrecht Alcibiades den 2. Markgrafenkrieg.
Mit einem starken Landsknechtsheer fiel er in die bamberger und nürnberger
Gebiete ein und brannte Burgen und Dörfer nieder. Erbarmungslos
mordeten die wilden Horden unter der wehrlosen Bevölkerung. Die
Reichsstadt Nürnberg und der Bamberger Bischof waren so nicht
nur hoher Sachwerte, sondern auch künftiger Steuerzahler beraubt.
Nun stellten sie gemeinsam mit dem Bischof von Würzburg ein gewaltiges
Heer auf und fielen in gleicher Weise mordend und brandschatzend in
das markgräfliche Gebiet ein. Am 26. November 1553, dem Conraditag,
nahmen sie die Stadt Kulmbach und auch die Plassenburg im Sturmangriff.
Von den ca. 500 in der Stadt ansässigen Familien überlebten
nur etwa 70 das blutige Gemetzel. Danach brannten sie die Stadt und
die Burg nieder. Im anschließenden Frieden wurden die drei Verbündeten
dafür zur Zahlung einer hohen Geldsumme verurteilt. Damit wurde
die Burg, u.a. mit dem berühmten 'Schönen Hof', im Stil
der Renaissance wieder aufgebaut.
1603 wurde die Hofhaltung nach Bayreuth verlegt. Der Dreißigjährige
Krieg brachte große Verwüstungen über das Land, doch
die Plassenburg wurde nicht erobert. 1791 trat der letzte Markgraf
Carl Alexander die gesamte Markgrafschaft an Preußen ab, und
als Napoleon nach Kulmbach kam, ließ er die Plassenburg schleifen.
1806 kam auch die Markgrafschaft an Bayern.
|
| Kulmbach war einst die 'Weltstadt des Bieres' und
so bestimmten die großen Brauereien und Mälzereien einst
auch das Stadtbild. Früher soll es einmal 26 Brauereien gegeben
haben, doch diese Zeiten sind vorüber. Dem Fusionsvirus
sind alle klangvollen Namen wie Sandler-, Reichel-, EKU-, Actienbräu
u.a. zum Opfer gefallen - Bier wird fabrikmäßig nur noch
von der Kulmbacher Brau AG hergestellt. Als zweites Standbein waren
hier auch große Webereien und Spinnereien ansässig und
gaben vielen Leuten Arbeit und Brot. Doch auch sie mußten der
Konkurrenz aus dem Osten und Asien weichen. Heute stehen auf dem Gelände
der Spinnerei und der verschiedenen Brauereien Einkaufscenter, Terassenwohnanlagen
und Parkhäuser. Auch den Mälzereien ging es ähnlich,
mit Ausnahme einer einzigen großen Mälzerei wurden daraus
Lebensmittelbetriebe, die meist Backhilfsmittel herstellen. In den
Fleischwarenfabriken werden heute vorwiegend Fast-Food- und Snack-Produkte
hergestellt. |
| Anfahrt: Trebgast erreicht man mit der Bahn
ab Nürnberg mit dem Regionalexpreß (Pendolino) bis Bayreuth
(KBS 860), dort umsteigen in die Regionalbahn (KBS 852, Fahrplanauskunft
beachten). Von Kulmbach entweder die gleiche Richtung zurück
oder nach Lichtenfels (KBS 850) und dort oder in Bamberg umsteigen
in den Regionalexpreß nach Nürnberg (KBS 820, Fahrplanauskunft).
Der "Plassenburg-Express" fährt von 9:20 bis 17:20
alle halbe Stunde ab dem Zentralparkplatz in der Stadtmitte und jeweils
um :25 und :55 ab der Gaststätte im unteren Hof der Plassenburg
wieder zurück. |
| Weglänge:
Ca. 20 km, Gehzeit ca. 5 Std. ohne Besichtigung der Kirchen und der
Plassenburg. Möglichkeit zur Einkehr in Trebgast, Feuln, Untersteinach,
Kulmbach und auf der Plassenburg. |
| Karte:
Fritsch
Wanderkarte Nr. 65 Naturpark Fränkische Schweiz Blatt Nord |
|
Info: Informationen zur Stadt Kulmbach, zu
Sehenswürdigkeiten und Geschichte finden Sie im Internet unter
www.stadt-kulmbach.de.
Im Bayerischen Brauereimuseum (Hofer Str. 20, Tel. 09221/80510)
erfährt man alles über die Kunst des Bierbrauens früher
und heute. Die dramatische Geschichte des "Conraditags"
können Sie im Internet nachlesen.
Einen sehr guten virtuellen Führer durch die
Plassenburg finden Sie unter www.stefan-fritz.de/burg2001b,
die sehr lesenswerte Dissertation von Fr. Dr. Sabine Weigand-Karg
über die Geschichte und die Hofhaltung auf der Plassenburg
unter www.zinnfigurenmuseum.de/plassenburg.
Museen auf der Plassenburg: Die Plassenburg (Tel. 09221/958879,
Besichtigung der Innenräume nur mit Führung) hat geöffnet
April - Oktober 9-18 Uhr und November - März 10-16 Uhr. Im
Deutschen
Zinnfigurenmuseum (gleiches Tel. und Öffnungszeiten) finden
Sie die größte Zinnfigurensammlung von der Welt, darunter
ein riesiges Diorama des "Conraditags"; Bilder und einen
sehr guten erklärenden Text über die Ereignisse um jenen
dramatischen Tag unter Conraditag auf www.zinnfigurenmuseum.de/2000.html.
Das Landschaftsmuseum
Obermain (gleiches Tel. und Öffnungszeiten) zeigt eine
spannende Zeitreise durch die Lande um Kulmbach mit vielen originalen
Exponaten, darunter der 'Pörbitscher Schatz', und einer Replik
der Ebstorfer Weltkarte von 1230. Das Armeemuseum
Friedrich der Große (Tel. 09221/822020) zeigt die Geschichte
und sozialen Verhältnisse der altpreußischen Armee.
Ab dem letzten Samstag im Juli findet auf dem Zentralparkplatz
alle Jahre 9 Tage lang die Kulmbacher Bierwoche statt. Alle zwei
Jahre (in ungeraden Jahren, vom zweiten Freitag bis zum zweiten
Sonntag im August) treffen sich Freunde und Sammler von Zinnfiguren
zur Deutschen Zinnfigurenbörse (hier z.B. eine Rückschau).
|
| Informationen
über Trebgast gibt's unter www.trebgast.de,
den aktuellen Spielplan der Naturbühne und Berichte über
frühere Aufführungen unter home.t-online.de/home/nb.trebgast.
In Trebgast ist noch eine Familienbrauerei ansässig, die Brauerei
Haberstumpf. |
|