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| Zum Stadtgeburtstag begeben
wir uns auf eine Exkursion in die über Jahrhunderte dauernde
Auseinandersetzung der Reichsstadt Nürnberg mit den Markgrafen
von Ansbach zu der Nürnberger Festung Lichtenau, dem Pfahl im
Fleisch der Markgrafen und zu der Grablege ihrer Gegner in dieser
Auseinandersetzung in der Gruft von St. Gumbertus in Ansbach. |
| Der tief von Wolken verhangene
Himmel läßt nichts Gutes ahnen, und tatsächlich überfällt
uns beim Aussteigen in Sachsen bei Ansbach der erste Regenguß
- von denen noch einige folgen werden. Auf Teersträßchen
geht es nach Lichtenau, das wir nach kurzer Wanderung erreichen. 1406
hatte der Rat der Stadt Nürnberg den Ort und die Burg von den
Herren von Heideck samt allen Rechten erworben, und zu diesen gehörte
- erstmals in der Geschichte der Stadt - die Hochgerichtsbarkeit,
d.h. das Urteil über Blut und Leben. Dies war natürlich
überhaupt nicht im Sinne der Markgrafen, die versuchten, sich
ein eigenes Territorium, wenn möglich ein "Herzogtum Franken",
aufzubauen. So kam es 1449 zum Ersten Markgrafenkrieg zwischen dem
Markgrafen Albrecht Achilles und Nürnberg, Lichtenau mußte
sich dem Markgrafen ergeben, mußte aber im Frieden wieder zurückgegeben
werden. Nun behauptete der Rat demonstrativ seine Landeshoheit, und
die Zollern fochten sie immer wieder an. |
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Über das Aussehen dieser ersten Burg wissen wir durch eine
Plan des Jahres 1551, aus dem wir auch sehen, daß in den hundert
Jahren seit dem ersten Markgrafenkrieg ständig Umbauten und
Verstärkungen vorgenommen wurden. Doch fast genau hundert Jahre
später verwüstete Albrecht Alcibides im Zweiten Markgrafenkrieg
in seinem Krieg gegen alles und jeden das Nürnberger Land,
und eines seiner ersten Ziele war natürlich wieder Lichtenau.
1552 wurde die Feste belagert, eingenommen, diesmal geschleift und
der Markt niedergebrannt.
Einmarsch in Lichtenau, links die Jungfernbatterie
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Auch
diesmal mußte Lichtenau zurückgegeben werden. Der Rat
beschloß, nun eine Festung in der damals modernsten "italienischen
Manier" zu erbauen; der Entwurf stammt wohl von Antonio Fanzuni,
dem wir auch die massigen Bastionen hinter der Burg verdanken. Diese
italienische Manier zog die Lehren aus dem Einsatz von Artillerie.
Die Festung wurde auf dem Grundriß eines Fünfecks erbaut,
das an den Ecken mit Bastionen verstärkt war.
Innenhof der Festung Lichtenau
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| Diese Bastionen hatten
einen doppelten Zweck: die nach vorne gerichteten Flächen trugen
die Artillerie um den Feind im Vorfeld unter Feuer zu nehmen, die
seitlichen deckten die gegenüberliegende Bastion und die Mauern
vor Angreifern. So gab es ringsherum keinen Fleck, der nicht im Schußfeld
lag. Ein wassergefüllter Graben verhinderte, daß Stollen
unter die Mauer vorgetrieben werden konnten, um diese zu sprengen.
Der nach innen an die Mauer angeschüttete mächtige Wall
sorgte für die Widerstandskraft gegen feindlichen Artilleriebeschuß. |
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Doch auch das Repräsentationsbedürfnis kam zu seinem Recht,
etwa in dem frühbarocken Torhof und der aufwendigen Ausgestaltung
des Innenhofs. Symbolträchtig sind die beiden Rundtürme,
die das Schloß überragen und in ihrer Form den Sinwellturm
auf der Nürnberger Burg ins Gedächtnis rufen. Auch der
Markt wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg befestigt;
das Obere Tor können wir nun einmal bei Sonnenschein besichtigen,
bevor es zum Mittagessen geht.
Oberes Tor in Lichtenau, links die ehem. Brauerei
Hauff
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Der
weitere Weg nach Ansbach führt zunächst im Rezattal entlang,
wo noch einmal die Kirche von Sachsen herübergrüßt.
Von hier ging die Erschließung des weiten Waldgebietes zwischen
Heilsbronn und Ansbach aus, wofür verschiedene "Kolonisatoren"
herangezogen wurden, zunächst von Karl dem Großen deportierte
Sachsen, dann Slawen vom Obermain, wo das Stift St. Gumbertus Besitzungen
hatte (Ratzenwinden liegt auf unserer Strecke!).
Blick übers Rezattal auf die Kirche
von Sachsen
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| Seit dem Zweiten Markgrafenkrieg
herrschte eine gespannte Ruhe; die Nachfolger Albrecht Alcibiades
suchten ihre Ansprüche mit ständigen Übergriffen, Reibereien
und mit Prozessen geltend zu machen. Seit 1526 führten die Markgrafen
vor dem Reichskammergericht ein Prozeß gegen Nürnberg über
die Gerichtsbarkeit, der bis 1806 keinen endgültigen Abschluß
fand, dazu kamen Prozesse um die niedere und hohe Jagd. Parallel dazu
wurde über eine gütliche Lösung, etwa durch Gebietstausch,
verhandelt, doch scheiterten die Verhandlungen stets an den hohen
Forderungen der Ansbacher. Die Auseinandersetzungen gingen weiter.
Georg Friedrich ließ 1557 vier Gerichtssäulen ausgraben,
der Rat klagte, der Markgraf ging in Berufung an das Reichskammergericht,
das 1593 entschied, daß die Säulen auf Kosten des Markgrafen
wieder aufzustellen seien. Noch dreimal, 1596, 1598 und 1601, mußte
er vom Gericht gemahnt werden, bis sie nach 44 Jahren wieder an den
alten Plätzen standen. |
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Für
diese Prozesse fertigte der Nürnberger Ratsherr und Kartograph
Paul Pfinzing im Jahre 1592 eine genaue Karte des Hochgerichts Lichtenau
an, um den Verlauf der Grenze zu dokumentieren. Die Karte und Beschreibung
hat Schnelbögl 1955 in einer lesenswerten Arbeit veröffentlicht.
An dem Nachfolger eines dieser Grenzsteine mit der Nummer 15 kommen
wir am Nachmittag vorbei, als uns wieder ein Regenschauer heimsucht.
Karte des Hochgerichts Lichtenau von Paul
Pfinzing
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Doch dann kann das Wetter nur besser werden, und es tut uns auch
den Gefallen. Die Sonne läßt sich schon blicken, als
wir das Tal des Silberbachs queren und in das Waldgebiet der Feuchtlach
eintauchen. Die Feuchtlach ist der letzte Rest des genannten großen
Waldgebiets, und wird heute teilweise als Biotop und naturbelassener
Wald vor den Toren Ansbachs erhalten.
Blick über das Silberbachtal auf die
Feuchtlach
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Und
hier scheint nun wirklich die Sonne, als wir unter dem Chor der
Stiftskirche St. Gumbertus die Grablege der Gegner Nürnbergs
in der Auseinandersetzung um Lichtenau besuchen. Seit 1643 sind
hier fast alle Mitglieder der Ansbacher Markgrafenfamilie bestattet.
Ihre Sarkophage spiegeln die künstlerische und geistige Entwicklung
von den reich dekorierten Sarkophagen der Zeit nach dem Dreißigjährigen
Krieg über die ausladenden Denkmäler des Hochbarock bis
zu den schlichten, samtüberzogenen Särgen der Aufklärung
wider. Nicht mehr hier bestattet ist der letzte Markgraf Carl Alexander,
der 1791 den Besitz an Preußen verkaufte und sich nach England
zurückzog, wo er auch begraben ist.
Sarg des Markgrafen Wilhelm Friedrich in
der Markgrafengruft in Ansbach
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Dann bringt uns der Regionalexpreß wieder zurück zur
Baustelle des Hauptbahnhofs Nürnberg, dem Beitrag der Deutschen
Bundesbahn zum 950jährigen Jubiläum der Stadt Nürnberg.
Der Beitrag der Deutschen Bundesbahn zum Stadtjubiläum
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| Für denjenigen, der sich noch näher
interessiert, steht im Internet unter http://www.wandern-und-geschichte.de
eine Beschreibung und Karte der Wanderstrecke mit vielen weiteren
Informationen und Bildern bereit. |
| Im Internet ist zu Lichtenau sonst nur Spärliches
zu finden. |
| Zwei gute Bücher zur Festungsarchitektur
sind von Christopher Duffy: Siege Warfare, the fortress in the early
modern world 1494 - 1660. New York 1996 (leider nur auf Englisch),
und von Hartwig Neumann: Festungsbaukunst und -technik, Bonn 1988,
mit einer immensen Materialfülle, das derzeit im Modernen Antiquariat
verramscht wird. |
| Die Festung Lichtenau ist stets zu besichtigen
(nicht die Innenräume der Gebäude, hier ist eine Zweigstelle
des Staatsarchivs Nürnberg untergebracht), für die Kirche
muß man versuchen, den Schlüssel von der Mesnerin zu bekommen. |
| Die Gruft unter der St. Gumbertuskirche ist
geöffnet 1. Mai mit 31. September feiertags, freitags, samstags
und sonntags jeweils 15 - 17 Uhr, Eintritt DM 1,00. Hier gibt es einen
ausgezeichneten Führer von Günther Schuhmann: Die Hohenzollern-Grablegen
in Heilsbronn und Ansbach, Schnell und Steiner, München 1989. |
| © 2000 Wolfram P. Gluth |
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