Der Kaiser kommt

Kaiserbesuche und -einzüge in alter Zeit (Teil 2)

 
         
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Der Kaiser
kommt
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Kirche des Heilig-Geist-SpitalsDas Heilig-Geist-Spital wurde 1332 von Konrad Groß gestiftet, dem Finanzier Ludwigs des Bayern und einem der reichsten Männer seiner Zeit. Große Teile wurden im Krieg zerstört, die Kirche nicht wieder ausgebaut.

Aufbewahrt wurden hier seit 1424 die Reichskleinodien, bis diese 1796 vor den Franzosen in Sicherheit nach Wien gebracht wurden. Sie bestanden einmal aus den Zeichen der weltlichen Macht: Krone, Szepter, Reichsäpfel, Schwerter und Gewänder zur Krönung. Zum anderen waren es einige kostbare Reliquien: ein Span der Krippe von Bethlehem, ein Zahn Johannes des Täufers, die Heilige Lanze und vieles mehr. Die symbolische Bedeutung des Schatzes war immens.

Die Reliquien wurden in einer sarkophagähnlichen Truhe aufbewahrt, die in der Kirche an Ketten von der Decke herab hing.

Die Kirche des Heilig-Geist-Spitals

Reichskrone in einer Zeichnung Albrecht DürersHeiltumsweisung am HauptmarktDie Aufbewahrung kostete den Rat der Stadt sehr viel Geld. So wurden die Reichskleinodien durch sogenannte Krongesandtschaften zur Krönung nach Aachen gebracht und dabei auch die anfallenden Zölle bezahlt, ebenso abhanden gekommene Steine ersetzt und die Gewänder dem Kaiser angepaßt. Zum Schluß war jahrhundertelange Erfahrung vorhanden, über die genau Protokoll geführt wurde.

Die Heiltumsweisung am Hauptmarkt.
Kolorierter Holzschnitt von 1487

Doch brachte dies der Stadt auch Ruhm und Ansehen. Häufig mußten sich die Nürnberger möglichst diplomatisch gegen die Bitte hochgestellter Besucher nach Teilen der Reliquien zur Wehr setzen. Seit ihrer Aufbewahrung in Nürnberg fand am zweiten Freitag nach Ostern die sog. Heiltumsweisung statt, d. h. die Reichskleinodien wurden vom sog. Heiltumsstuhl, der auf dem Hauptmarkt vor dem Haus Nr. 15 aufgebaut wurde, dem Volk gezeigt.

Männleinlaufen an der  FrauenkircheNach der Zerstörung des jüdischen Ghettos und der Synagoge, von der 1986 noch ein Säulenstumpf im Südschiff gefunden wurde, ließ Karl IV. ab 1355 die Frauenkirche als kaiserliche Stiftung erbauen. Der Bau zeigt, welche Bedeutung Karl IV. Nürnberg beimaß, möglicherweise hatte auch er schon beabsichtigt, die Reichskleinodien in Nürnberg aufzubewahren. Wenn er in Nürnberg zu Besuch war, wurden sie jedenfalls im westlichen Michaelschor aufbewahrt und von dort aus auch dem Volk gezeigt.

In Nürnberg wurde 1361 sein Sohn Wenzel geboren; die Taufe fand in der Sebalduskirche statt. Dessen Regierungszeit verlief unglücklich, er wurde 1400 wegen Unfähigkeit durch die Kurfürsten abgesetzt. Eine Chronik von 1430 berichtet von "schlechten Vorzeichen" schon bei der Taufe: der Täufling verunreinigte das Taufwasser und der Pfarrhof von St. Sebald brannte ab.

Das Männleinlaufen von 1509
an der Frauenkirche

Beim Männleinlaufen, einem mechanischen Spielwerk an der Fassade der Frauenkirche, drehen sich um 12 Uhr die Kurfürsten im Kreis um den Kaiser. Dies war eine Demonstration der Rolle der Stadt Nürnberg im Reich, aber auch der technischen Fähigkeiten der Stadt. Die Wappen des Reichs, der Kurfürsten und Roms am Balkon ziehen ein Vergleich Nürnbergs mit dieser Stadt.

Saalbau des Nürnberger Rathaus Großer Rathaussaal in Nürnberg Das Rathaus, über die Jahrhunderte immer wieder erweitert, ist ein weiteres Zeichen der Bedeutung der Stadt. Der im Krieg zerstörte große Saal im ersten Stock wurde ab 1520 unter Mitarbeit Dürers ausgestaltet. Beim ersten Besuch des Kaisers fand hier die Huldigung von Bürgerschaft und Rat statt. Ab 1540 wurde die Bürgerschaft dazu auf dem Platz vor dem Rathaus versammelt, bis sich der Kaiser aus Zeitgründen mit einer summarischen Huldigung begnügte.

Der Große Rathaussaal,
Gemälde von Lorenz Hess 1626

Der Rathaussaal sah aber auch andere bedeutende Ereignisse, so den Friedensexekutionsrezeß, der den Dreißigjährigen Krieg 1649 auch technisch beendete und Anlaß zu dem bekannten Friedensmahl war. Bei der Ausrichtung eines Reichstags mußte nicht nur der Kaiser, sondern auch sein Gefolge untergebracht werden. Vorteile Nürnbergs waren die vielen Gasthäuser, wohlhabende Bürger und die gute Versorgung mit Lebensmitteln. Man schätzt, daß in den Gasthäusern Nürnbergs etwa 3000 Gäste untergebracht werden konnten, bei einer Einwohnerzahl von etwa 30.000 um 1521. Häufig quartierten sich hohe Gäste aber auch bei Bürgern ein.
   Der letzte Reichstag in Nürnberg fand 1543 statt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg trat ab 1668 der sogenannte Immerwährende Reichstag in Regensburg zusammen bis zum Ende des Alten Reiches 1806.

Nürnberger Rathaus und St. Sebald Chörlein am Sebalder PfarrhofMit der Reformation 1524/25 trat ein Bruch ein: Bisher hatte der Einzug sakralen Charakter, der Kaiser wurde mit Reliquien gesegnet, hörte in St. Sebald die Messe. Nun war diese evangelische Pfarrkirche, und es konnte keine Messe mehr gelesen werden. Seitdem hat der katholische Kaiser St. Sebald nicht mehr besucht.    Im Geiste der jetzt herrschenden Renaissance wurde der Empfang zu einem weltlichen Ereignis. Kaiser und Rat zogen mit prächtigem Gefolge in die Stadt ein, ihnen folgten die Reichsfürsten mit Gefolge. Auch die Bürger waren beteiligt, Muster der Kostüme waren im Rathaus ausgestellt, und wer es sich leisten konnte, ließ sich eines für die Teilnahme am Umzug anfertigen.

Das Chörlein am Sebalder Pfarrhof

Triumphpforte zum Einzug des Kaisers Der Zug durch die Stadt ging zur Burg, wo eine Ehrenpforte errichtet war. Auf ihrem Balkon spielten die Stadtpfeifer zum Empfang, auf der Spitze schlug ein mechanischer Adler beim Nahen des Kaisers mit den Flügeln und verbeugte sich. Bekannte Künstler lieferten Entwürfe zu diesen Dekorationen. In einem Gedicht beschreibt Hans Sachs den Einzug Kaiser Karls V. Abends fand ein großes Feuerwerk statt, einmal wurden zwei Burgen aufgebaut, die einander beschossen, oder das Feuerwerk wurde von künstlichen Elefanten abgefeuert.

Blick auf Stadt und Kaiserburg von der Lorenzer SeiteEndpunkt war die Burg, wo der Kaiser für die Zeit seines Aufenthalts Wohnung nahm. Normalerweise war diese nicht bewohnt und nicht möbliert. Für den Kaiser stellten reiche Bürger Möbel zur Verfügung, zum Teil brachte sie der Kaiser auch selbst mit. Der mittelalterliche Kaiser übte sein Amt ja im Umherziehen aus, da er in allen Teilen seines Reiches immer wieder persönlich gegenwärtig sein mußte. Erst mit dem 17. Jhdt. hört diese Reisetätigkeit der Kaiser auf und es bildet sich eine feste Hauptstadt heraus.
   Und damit endet auch die Zeit der festlichen Besuche des Kaisers in Nürnberg, und es bleibt die Erinnerung in Schrift und Bildern, und die Kaiserburg, die majestätisch hoch über der Silhouette der Stadt thront.

Blick auf Stadt und Burg
von der Lorenzer Seite

 
       
   
   Die Reichskleinodien befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien, der Server ist derzeit leider nicht erreichbar. Stadtinformationen und Stadtrundgänge durch Nürnberg im Internet bei (schon lange nicht mehr aktualisiert) der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Informationen zum neu eingerichteten Kaiserburgmuseum, einer Dependence des Germanischen Nationalmuseums, unter http://www.gnm.de/Sammlungen/Kaiserburg.htm.
Allgemeine Informationen zum Anlaß des Stadtjubiläums und zu den Veranstaltungen finden Sie unter http://www.stadtjubilaeum.nuernberg.de.
   Zur Stadtgeschichte Nürnbergs ist im Beck-Verlag erschienen: Martin Schieber, Nürnberg - Eine illustrierte Geschichte der Stadt, C.H. Beck Verlag, München 2000, ISBN 3 406 46126 3, oder Sie informieren sich in dem neu erschienenen Stadtlexikon Nürnberg. Zur Kaiserburg gibt es den hochinformativen Führer von B. Friedel und G.U. Großmann, Die Kaiserpfalz Nürnberg, Schnell + Steiner, Regensburg 1999, ISBN 3 7954-1216-1, zur Archäologie um den Hauptmarkt, das Judenviertel und die Kaiserburg die Beiträge in B. Friedel und C. Frieser (Hg.), Nürnberg - Archäologie und Kulturgeschichte, Dr. Faustus, Büchenbach 1999, ISBN 3-933474-03-5.
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