Der Kaiser kommt

Kaiserbesuche und -einzüge in alter Zeit (Teil 1)

 
         
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Der Kaiser
kommt
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Lichtenau
Heinrich von
Stein
Kalk Rewt
Deocar
 
 
 
 

 
 
 

Ansicht der Stadt Nürnberg aus der Schedelschen Weltchronik Nürnberg gehörte zu den für den Kaiser wichtigsten Städten im Reich: Frankfurt als Ort der Wahl, Aachen als Ort der Krönung, Nürnberg und Regensburg als Orte von Reichstagen und so hatte Nürnberg zum Kaiser stets eine besondere Beziehung. Bis ins 16. Jh. waren alle regierenden Kaiser in Nürnberg zu Besuch, viele von ihnen mehrmals, so Ludwig der Bayer 74mal und Karl IV. über 50mal. Der Kaiser brauchte das Geld der Stadt, und die Stadt bekam dafür wirtschaftliche und politische Privilegien.

St. Jakob in NürnbergDer Empfang des Kaisers war in der Zeit vor der Reformation vor allem ein kirchliches Ereignis und ein besonders glanzvolles. Zwei Ratsherren zogen dem Kaiser bis zum Ort seiner letzten Übernachtung entgegen. Der Einzug des Kaisers erfolgte dann beim Spittlertor. An der Kirche St. Jakob versammelten sich sämtliche Kleriker der Stadt und die Schüler und gingen ihm in feierlicher Prozession entgegen. Am Spittlertor empfing ihn eine Abordnung des Inneren Rates. Vor Sankt Jakob war ein Altar mit den Hauptreliquien der Stadt, denen der Heiligen Sebald, Cyprian und Deocar, aufgebaut. Der oberste Geistliche der Stadt, der Abt von Sankt Egidien, berührte mit ihnen als Segnung feierlich den Scheitel des Kaisers. Danach ging die Prozession weiter zum Gottesdienst in Sankt Sebald, der Hauptkirche der Stadt. Anschließend begab sich der Kaiser auf die Burg, wo ihm Vertreter der Stadt Geschenke überreichten, meist Naturalien wie Fleisch, Fische, Wein, es gibt aber auch Berichte von einem mit Goldstücken gefüllten Pokal.

Kirche St. Jakob des 15. Jh.

Die Mauthalle in Nürnberg Kaiser Maximilian I. von Albrecht Dürer Am Tag nach dem Einzug besichtigte der Kaiser die Stadt, dabei wurden ihm auch die Mauthalle, die ursprünglich als Kornhaus erbaut war und das Zeughaus gezeigt. Beides war natürlich als Demonstration der Wirtschaftskraft der Stadt gedacht. Im Kornhaus lagerten die Vorräte für Notzeiten, im Zeughaus waren die Waffen zur Ausstattung der Bürgerwehr aufbewahrt, die während des Besuchs zum Teil an Bürger verteilt wurden, die für Ordnung sorgen sollten.
   Zu den Festlichkeiten zum Empfang des Kaisers gehörten z.B. auch Tanzveranstaltungen.

Kaiser Maximilian I. von Albrecht Dürer

Vom Besuch Kaiser Maximilians I. wird berichtet, daß die Damen der Stadt so großen Gefallen daran fanden, daß sie seine Stiefel und Sporen versteckten, um ihn an der Abreise zu hindern. Auch Wettschießen fanden statt, an denen alle Bürger teilnehmen konnten; bei einem Besuch Maximilians gewann ein Handwerksbursche das Schießen.

Fassade der Lorenzkirche in Nürnberg Aber auch die Kaiser fanden Gefallen an ihrem Aufenthalt in Nürnberg , so daß sich Maximilian bis zu fünf Monate, sein Vater Friedrich sogar neun Monate lang hier aufhielt. Der weitere Weg führt zur Lorenzkirche. Bemerkenswert ist, daß die Kirchen St. Sebald und St. Lorenz kaum kaiserliche Stiftungen besitzen. So befindet sich in St. Sebald nur das Maximiliansfenster, in St. Lorenz das sogenannte Kaiserfenster, das sein Vater Friedrich III. 1487 stiftete. Der Entwurf dazu stammt von Michael Wohlgemuth, dem Lehrer Dürers. Der Krell'sche Altar darunter (ca. 1480), zeigt im Hintergrund die erste bekannte Darstellung Nürnbergs.

Alte Ansicht der Fleischbrücke in NürnbergDer Weg des Kaisers führte dann über die Hauptbrücke der Stadt, die Fleischbrücke, zum Hauptmarkt. Der Name rührt von den Fleischbänken her, nicht dem Schlachthaus, sondern dem Ort, an dem das Fleisch verkauft wurde. Daran erinnert heute noch der Torbogen mit dem Ochsen darüber. Erbaut wurde sie von 1596/98 mit Anklängen an die Rialtobrücke vom Stadtbaumeister Jakob Wolff d.Ä.

Die Fleischbrücke in einer alten Ansicht

Für die damalige Zeit war es eine technische Meisterleistung, den Fluß in einem einzigen Bogen zu überspannen. In der Mitte befinden sich zwei kanzelartige Auskragungen, in denen Säulen aufgestellt wurden, die beim Kaiserbesuch Girlanden und Fahnen als Dekoration trugen. Von hier aus geht der Blick nach rechts über die Museumsbrücke zu unserem nächsten Ziel, dem Heilig-Geist-Spital.
 
       
   
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