| In den letzten 400 Jahren seiner Geschichte gehörte
das Hilpoltsteiner Land zu Pfalz-Neuburg und damit zu Bayern, doch
im Mittelalter war es Sitz eines eigenen bedeutenden Adelsgeschlechts,
dem die Herren von Stein nachfolgten. Einer von ihnen, Heinrich von
Stein, war 1254 in Nürnberg Reichsbutigler und damit der wichtigste
Mann des Reiches in Franken. Und schließlich eine weitere Beziehung
zu Nürnberg: 36 Jahre lang war Hilpoltstein als Pfand in Nürnberger
Besitz. |
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Hilpoltstein lag an einer wichtigen Strasse, die von Nürnberg
her nach Ingolstadt, München und zu den Alpenpässen führte;
noch bis 1800 spielten die zahlreichen Gasthäuser und die Straße
hier eine wichtige Rolle.
Entlang dieser Straße finden sich eine ganze
Reihe von Burgställen, also Befestigungen, von denen nur noch
Spuren im Gelände erkennbar sind.
Burgstall bei Lampersdorf
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Der
erste liegt unter der Allerheiligenkirche in Allersberg, unserem
Ausgangspunkt, den nächsten finden wir kurz vor Lampersdorf.
Hier soll der Stammsitz der Herren von Stein gewesen
sein. Auf dem heute noch 5-6 m hohen und 50 m messenden Hügel,
von einem Graben umgeben, befand sich wahrscheinlich ein Wohnturm
mit Befestigung, zu dem das Dorf gehörte.
Nach einem weiteren Turmhügel und der Kirche
von Heuberg nähern wir uns Hilpoltstein, dessen Turm uns schon
von weitem grüßt.
Burg Hilpoltstein von N
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Die
völlig überwucherte Ruine wurde zwischen 1988 und 1995
saniert und dabei eingehend archäologisch untersucht; durch
die Grabungen wurde Hilpoltstein zur bestuntersuchten Burgruine
Frankens. Die Geschichte von Burg und Stadt mußte durch diese
Untersuchungen neu geschrieben werden.
Nahm man bisher eine Gründung im 13. Jh. an,
so datieren die Anfänge jetzt ins 10. Jh. Die Burg in der heutigen
Größe entstand schon vor 1220 und wurde um diese Zeit
weitgehend erneuert. Interessant ist der Zugang zur Hauptburg durch
den Felsen hindurch zu einem Keller, von dem eine Zugtreppe zum
Palas führte.
In dieser Zeit wurde auch die schon bestehende Stadt
erweitert und mit der heute noch vorhandenen Stadtmauer umgeben.
Burg Hilpoltstein von O
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Nur
die Verstärkung an der Südostecke ist mit dem Namen Heinrich
von Stein verbunden. Dieser war 1254 Reichsbutigler zu Nürnberg
und als solcher der Statthalter des Reichs. Ihm unterstanden die
Münze, das Gericht, die Reichswälder und der Schutz über
die Reichsklöster. Durch eine geschickte Familienpolitik verband
sich die Familie mit wichtigen Familien der Umgegend und erwarb
umfangreichen Besitz, so die Burgen Breitenstein und Niedersulzbürg.
Aus ihrem Familienwappen entstand das Stadtwappen.
Die Nachkommen Heinrichs hatten einflußreiche Stellen als
Landeshauptmann in Baiern und als Bischöfe inne.
Stadtwappen von Hilpoltstein
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Die Bedeutung Hilpoltsteins schon vor den Herren von Stein zeigen
drei unscheinbare Glasscherben, Bruchstücke von sog. Hedwigsbechern.
Diese geschliffenen Glasbecher aus dem 10. Jh. sind von orientalischer
Herkunft und bisher nur aus dem Umkreis hochadliger Familien bekannt,
eine solche muß damals also hier ansässig gewesen sein.
Fragmente der drei Hedwigsbecher aus Hilpoltstein
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Auch
die Stadt hatte um 1220 schon große Bedeutung. Davon können
wir uns bei einer Führung am Nachmittag durch die Stadt überzeugen.
Vor allem die Grabung im Gasthaus "Schwarzes Roß"
lieferte wichtige Ergebnisse, die auch im Museum hinter dem Gasthaus
zu besichtigen sind.
Brauerei des 16. Jh. im "Schwarzen Roß"
Gewölbter Keller unter dem
Gasthaus "Schwarzes Roß"
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Im
Schwarzen Roß konnte außerdem eine Brauerei des 16.
Jh. ausgegraben werden, für die noch ein Inventar erhalten
ist - ein in Deutschland einmaliger Fund.
Zwei gemauerte Keller unter dem Gasthaus sind die
Fundamente von steinernen Wohntürmen ortsansässiger Adliger.
Der Sitz eines solchen Rittergeschlechts hat sich noch im Jahrstorfer
Haus von 1523 erhalten.
Jahrstorfer Haus von 1523
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Nach
dem Aussterben der Herren von Stein kam Hilpoltstein an Baiern und
1504 nach dem Landshuter Erbfolgekrieg zu dem neu geschaffenen Herzogtum
Pfalz-Neuburg.
Aus chronischem Geldmangel verpfändete Ottheinrich
Hilpoltstein 1542 an Nürnberg, und so war der Ort 36 Jahre
lang im Besitz der Reichsstadt. An diese Zeit erinnert noch das
Brunnenmännlein mit dem Nürnberger Wappen vor dem Rathaus.
Pfalz-Neuburg löste Hilpoltstein wieder aus
und der Ort wurde zur Residenz einzelner Familienmitglieder. In
gutem Gedächtnis ist die Zeit, als Dorothea Maria hier von
1606 bis 1639 ihren Witwensitz hatte und die Burg nochmals ausbaute,
aus dieser Zeit stammen die Reitertreppe und die Gebäude der
inneren Vorburg, heute Altersheim.
Brunnenmännlein mit Nürnberger
Wappen
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In
Erinnerung an die Pfalzgräfin wird alljährlich am ersten
Sonntag im August ihr Einzug gefeiert. Unten im Ort erbauten ihre
Nachfolger eine prächtige Residenz , von der noch Teile mit
schönen Stuckdecken erhalten sind. Das Erlöschen verschiedener
Linien des Hauses Wittelsbach führte letztlich 1799 alle ihre
Länder wieder zum Kurfürstentum Bayern zusammen.
Uns bringt das verbliebene Reststück der Gredl-Bahn
wieder nach Roth und von dort zurück nach Nürnberg.
Reitertreppe Dorothea Marias auf der Burg
Residenz des 17. Jh.
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