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Wer weiß schon, daß die Stadt Nürnberg neben den
Heiligen Sebald und Lorenz noch einen dritten Stadtheiligen hatte,
den Heiligen Deocar aus Herrieden?
Die Stadt Herrieden liegt an der Altmühl an
einer Furt, wo der Fluß von eine Altstraße gekreuzt
wird, die von der Donau kam und weiter zum Main und nach Fulda führte.
An dieser strategisch wichtigen Stelle im Grenzgebiet zwischen Franken
und Baiern wurde in der 2. Hälfte des 8. Jh. das
Kloster 'Hasareod' gegründet. Von Karl dem Großen wurde
Deocar als erster Abt berufen. Er wurde vermutlich als fränkischer
Aristokrat geboren, kam früh in das Kloster Fulda, erhielt
dort seine Ausbildung und kam in die Hofkapelle Karls.
Altmühl bei Herrieden
[© Herrieden, Stadt an der
Altmühl, Hg. Stadt Herrieden]
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In
Herrieden hatte er an der Grenze zu Baiern eine wichtige politische
Aufgabe und wurde auch nach Baierns Eingliederung ins Frankenreich
mit wichtigen Aufgaben betraut.
Zwischen 821 und 824 wird er gestorben sein. Im
Pontifikalbuch des Eichstätter Bischofs Gundekar (1057-1075)
wird er dann unter die Heiligen des Bistums gezählt.
Sein Kloster wurde bekannt und reich an Besitz,
doch schon der zweite Nachfolger, der Erzbischof von Mainz und Erzkanzler
des Reichs war, tauschte es gegen anderen Besitz mit dem Bischof
von Eichstätt. 888 wurde es in ein Chorherrenstift umgewandelt
und war von nun an stets eng mit der Geschichte und dem Schicksal
des Bistums Eichstätt verbunden.
Deocarbrunnen in Herrieden
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Im Kampf um die Kaiserkrone belagerte Ludwig der Bayer die Stadt
Herrieden und konnte sie nur mit Hilfe der Stadt Nürnberg einnehmen.
Zum Dank an Nürnberg und zur Strafe für Herrieden schenkte
er einen großen Teil der Reliquien an Nürnberg, und so
kamen diese in die Lorenzkirche. 1406 wurde ihm eine eigene Kapelle
geweiht, und 1436 der Altar gestiftet, der zu den ältesten
noch vorhandenen Altären Nürnbergs zählt.
Deocarschrein in Herrieden
Deocaraltar in der
Lorenzkirche in Nürnberg
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Es entwickelte sich eine blühende Wallfahrt,
aus deren Erträgen maßgeblich der Bau des großen
spätgotischen Hallenchors von St. Lorenz finanziert wurde.
Alljährlich am Tag nach Pfingsten hielt die Stadt eine große
Prozession ab, bei der die jüngsten Ratsherren den silbernen
Schrein nach dem Vorbild des Sebaldusschreins trugen.
Mit der Reformation erlosch das Interesse an der
Deocarwallfahrt, und erst recht nach dem Übergang Nürnbergs
an Bayern. Sogar der Deocarschrein wurde versteigert, und 1845 kamen
die Reliquien in die Bischofsstadt Eichstätt.
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In
Herrieden hingegen blieb die Erinnerung lebendig. Der 1482 in der
Stiftskirche aufgestellte Schrein in Form eines Kirchenmodells für
die noch vorhandenen Reliquien befindet sich heute in der Blasiuskapelle
neben dem Chor. Jüngstes Zeichen der Verehrung ist der Deocarbrunnen
vor der Stiftskirche.
Auch nach der Zerstörung durch Ludwig den Bayern
wurde Herrieden mehrfach von Bränden heimgesucht, deren Ascheschichten
sich noch im Boden finden. 1490 wurde so auch das Langhaus der Kirche
zerstört, das gotisch wiederaufgebaut und ab 1740 sehr einfühlsam
barockisiert wurde.
Noch eine weitere Kirche fiel diesem Brand zum Opfer,
die nahebei gelegene Frauenkirche. Sie beherbergt in ihrem Inneren
ein einzigartiges Kunstdenkmal: eine geschnitzte barocke Holzdecke
von 1705, die aus über 7500 Einzelteilen zusammengesetzt ist.
In den letzten Jahren wurde sie unter großem Aufwand restauriert.
Holzdecke der Frauenkirche
in Herrieden
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| Altmühlbrücke
und Storchenturm in Herrieden |
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Auch sonst hat Herrieden noch viele Sehenswürdigkeiten zu bieten:
Die Altmühlbrücke, die älteste urkundlich belegte
Brücke Frankens (der heutige Bau von 1771), bildet zusammen
mit dem Storchenturm ein malerisches Ensemble.
Von der Stadtmauer sind noch Teile erhalten, so
die Fronveste, ebenso viele Fachwerkhäuser.
St. Martin vor den Toren Herriedens
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Aus der Zeit des Barock sind noch eine Reihe Gebäude
erhalten, residierte hier doch sogar von 1703 bis 1704, in der Zeit
des Spanischen Erbfolgekriegs, der Eichstätter Bischof.
Vor den Toren Herriedens liegt weithin sichtbar
auf einem Berg die St. Martinskirche, die lange Zeit die Pfarrkirche
Herriedens war. Auf dem Grund einer vermutlich schon vorgeschichtlichen
Befestigung erbaut, war sie die Keimzelle der Ortschaft Herrieden
und wurde 1633 bei der Belagerung und Zerstörung Herriedens
durch die Schweden abgebrannt. Erst 1688 konnte sie wieder aufgebaut
werden.
Von hier bietet sich zum Abschied noch einmal ein
schöner Blick auf Herrieden, die weite Landschaft des Altmühltals
und den gegenüberliegenden Albrand.
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| Es lohnt sich, für die Besichtigung Herriedens
etwas längere Zeit einzuplanen. Dazu gibt es einen schönen
Plan der Stadt mit Erläuterungen zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten
von der Stadt Herrieden, Herrnhof 10, 91567 Herrieden, Tel. 09825/8080,
Fax 09825/80830. Das Buch "Herrieden, Stadt an der Altmühl",
herausgegeben 1982 von der Stadt Herrieden, bietet eine umfassende
Einführung in die Geschichte der Stadt und ihre Umgebung. Informationen
im Internet finden sich unter http://www.herrieden.de.
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| Rund um Herrieden ist der Bildstock- und Kapellenwanderweg
in zwei Rundwegen markiert und führt uns an einer Vielzahl von
Flurdenkmalen vorbei. Auch dazu gibt es ein Faltblatt von der Stadt
Herrieden. |
| Eine Beschreibung der mit dem Fränkischen
Albverein durchgeführten Wanderung mit Wegbeschreibung und Karte
sowie vielen weiteren Informationen findet sich unter http://www.wandern-und-geschichte.de.
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| © 2000 Wolfram P. Gluth |
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